Ich muss euch enttäuschen!

Ich muss euch enttäuschen!

Welch ein Lichterglanz!
Weihnachtliches Regen,
soll es mich bewegen
so tief in mir und ganz?

Ach, Bäume leuchten, blenden
im reichen Lichterblitzen,
selbst in den kleinsten Ritzen
ihr Flammen lieblich senden.

Und ach, verlockender Duft
aus manch bürgerlichem Reich,
es hungert mich sogleich
hier aus der kalten Luft.

Wie fällt auf uns der Segen,
er hat uns heimgesucht,
als hätten wir ihn gebucht
und könnten ihn zeitlich bewegen.

Und welche schönreichen Gaben!
Mir ist in diesem Jahr
noch mehr als jeher klar:
wir zu viel davon haben.

Ich habe keinen Schalter
um Gefühle umzulegen,
ich könnte werden verwegen
zum HeuchelgutVerwalter.

Doch all das Elend, die Kriege
die lassen mich traurig blicken
und eins, zwei, drei mal klicken
Auf das ich mich nicht verbiege.

Welch eine LichterSpende!
Weihnachtliches Schmücken
manch lächerliches Verzücken –
ohne geistiger Wende.

Copyright Sylvia Kling/Gelesen zu meiner Lesung in der Marienkirche Dessau am 10.12.2016

Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten, auf diesem Blog nur Artikel zu schreiben, ist es mir aus aktuellem Anlass ein Bedürfnis, dieses Gedicht heute zu veröffentlichen.

Ich möchte auch noch einmal auf meinen Artikel hier verweisen, der für mich auch an diesem, sehr traurigen Tag Gültigkeit hat!

https://wiedaslebenklingt.wordpress.com/2016/07/23/warum-koennen-wir-nicht-einfach-still-sein/

Ich wünsche den Angehörigen der gestern in Berlin Getöteten und Verletzten viel Kraft in dieser schweren Zeit. Keine anderen Worte wären für mich angebracht!

Trotz allem – oder gerade deshalb – wünsche ich meinen Freunden, Lesern und Besuchern ein schönes Weihnachtsfest und für uns alle vor allem  Frieden, der bekanntlich in unserem Herzen und in unserer unmittelbaren Nähe beginnt! Frieden fängt bei uns selbst an, geht damit weiter, den anderen zu respektieren, dem anderen die Hand zu reichen.

Frieden ist Liebe und Liebe ist nicht verhandelbar.

Eure Sylvia Kling

Das Kopieren und die Weiterverwendung von Text und Foto sind nicht gestattet!

Beitragsfoto:

URL: http://piqs.de/fotos/115653.html

Lizenz: Creative Commons License

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Fotograf: Reinhard Sandbothe
Titel: Frieden stiften …
Tags: versöhnung, frieden, entschuldigung, vergebung, forgiveness, peace

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Künstler im Ruhe(zu)stand? Zeigt endlich Kante!

(Ent)Huldigung

Mancher Künstler
wirkt recht starr
in diesen
schleppend Zeiten,
wie treu und frei
ist ein Narr,
der spielt auf
rostgen Saiten?

Verloren scheinen
die verkreuzten Queren,
die Wahrheit noch
verkünden,
die Gefühltes klar
gebären,
beim Empfänger
Verstande zünden?

Da säuselt hier
im deutschen Lande,
als wärs ein
Paradiese
eine große
Künstlerbande
und huldigt gar
der Krise.

Copyright Sylvia Kling

Es ist nicht gestattet, Texte ohne Angabe des Urhebers und ohne Genehmigung desselben zu kopieren und weiterzuverwenden!

Wie meinte Udo Lindenberg, den ich seit meiner Jugend verehre:

„Zwar gebe es Musiker, die Haltung zeigten – wie etwa Herbert Grönemeyer, die Toten Hosen, Jan Delay oder Clueso. „Aber es gibt viele, die äußern sich prinzipiell gar nicht, die sagen, wir sind reine Entertainer, wir machen nur Unterhaltung nach dem Motto: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino, vergiss die Welt da draußen.“ Es wäre besser, so Lindenberg, wenn sich mehr Künstler politisch positionierten.“

Seit zwei Jahren stelle ich besorgt fest, dass es immer weniger Künstler gibt, die sich positionieren. Ist es die Angst um Einbuße bei den Honoraren, die Angst, Fans zu verlieren? Immerhin scheint ein nicht geringer Anteil der deutschen Bevölkerung fremdenfeindlich eingestellt zu sein. Woran liegt es, dass unsere Künstler immer leiser werden, wenn es darum geht, Kante zu zeigen?

Auch im Bereich der Kleinkunst – wir müssen nicht zwingend zu den Prominenten schauen – ist die Tendenz zum schweigenden Verharren besorgniserregend! Warum? Ihr seid diejenigen, die unter das Volk gehen! Hier ist es so wichtig, den Menschen zu zeigen: Es geht auch anders.

Ich kann Euch sagen: Es geht! Ich lese in und um Dresden – nicht gerade leicht, in Sachsen unter die Leute zu gehen und kritische Texte zu lesen, die teilweise den Leuten „paar auf die Fresse hauen“ (wie ein Gast in Klingenberg wortwörtlich zu mir sagte und er fand das gut!).

Angst, liebe Künstler, ist ein schlechter Ratgeber.  Die Angst vor der Wahrheit ist nicht so schlimm, als die Angst, die eintreten wird, wenn diese Wahrheit Formen annimmt!

Habt Mut und zeigt Gesicht. Wenn es zu spät ist, habt auch ihr genau das verloren!

Über ein Teilen und Rebloggen würde ich mich sehr freuen – in unserer aller Sinne.

Wir sehen uns ausgeschlafen.

Sylvia Kling

Auf Facebook schrieb der Künstler Axel Kliment-Feuerberg als Kommentar unter diesen Artikel:

„Die Kunst hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr entpolitisiert. Viele Künstler sind geradezu stolz darauf unpolitisch zu sein. Sie benutzen häufig sogar politische Symbolik und Bilder von Kriegsopfern bewusst nicht wertend als Versatzstücke ihrer Kunst. In der bildenden Kunst sind Künstler wie Neo Rauch oder Meese typisch dafür. Und wo die Kunst sich noch eindeutig politisch artikuliert, da kommt sie meist als Vehikel für Ideologien daher. Es ist höchste Zeit, dass sich Künstler wieder engangieren. Gegen Unrecht und für Menschenrechte. Für mich ist das eigentlich erst ihre Existensberechtigung. Aber leider sehe ich das wenige vorhandene Engagement zerbrechen an ideologischen Differenzen. Wie Wecker einmal gereimt hat: „Und mein Onkel lacht sich eins, denn das weiß auch er: Gegen diese Linke hat er es nicht schwer.“

Mein  Artikel ist auch hier zu finden:

http://wemeze.eu/enthuldigung/

Dresden am 16.12.2015 – Erster großer Bürgerdialog

 

Dresden – Erstmals seit Beginn der PEGIDA-Demos ist ein großer Bürgerdialog zustande gekommen. Etwa 1000 Dresdner, darunter auch Vertreter des Anti-PEGIDA-Lagers und PEGIDA-Demonstranten selbst, redeten am Mittwochabend in der Kreuzkirche miteinander.

Der Chef der Landeszentrale für Politische Bildung, Frank Richter, war der Moderator.

Bis auf einen Zwischenfall blieb es friedlich: Ein Pegida-Anhänger und ein Redner gerieten verbal aneinander. Es wurde laut in der Kirche (siehe im Video oben). FDP-Politikerin Barbara Lässig (re. im Video) und Pfarrer i.R. Hanno Schmidt (links, hinter dem Zwischenrufer) schlichteten.

Eingeladen hatten OB Dirk Hilbert (44, FDP) und Superintendent Christian Behr. Hilbert sagte: „Wir, die Bürgerschaft dieser Stadt, wir alle stecken fest.“ Er schließe sich ausdrücklich ein.

Jeder habe inzwischen eine Meinung zu allem. Aber die Wortmeldungen würden immer frustrierter. Daher müsse der Kreislauf aus Standpunkten und Gegenstandpunkten endlich durchbrochen werden.

Ein aus Syrien stammender Dresdner rief die Bürger zu gemeinsamen Anstrengungen auf. „Denn die Größe einer Gemeinschaft zeigt sich bei der Bewältigung von Problemen.“ Er habe nicht erwartet, dass so eine Herausforderung wie jetzt die Flüchtlingskrise die Stadt so spalte. „Aber die Menschen, die hierherkommen, haben sich das nicht ausgesucht; sie wurden gezwungen, hierher zu kommen. Bitte öffnen Sie also Ihre Herzen.

PEGIDA-Mitbegründer René Jahn sagte begleitet von vereinzelten Buh-Rufen: „Unsere Stadt durchzieht ein tiefer Graben.“ Bürger würden vielfach nur vor vollendete Tatsache gestellt. Bürger und Politik hätten sich immer weiter voneinander entfernt. Daran seien (auch) die Medien nicht unschuldig. „Selbstverständlich ist Dresden weltoffen. Und das soll auch so bleiben.“

Die Veranstaltungsreihe soll fortgesetzt werden.

 Die Rede Hilberts im Wortlaut:

„Wir, die Bürgerschaft dieser Stadt, wir alle stecken fest. Und ich schließe mich da ausdrücklich ein. Jeder von uns hat eine Meinung. Eine Meinung zur Unterbringung von Flüchtlingen, eine Meinung zu den montäglichen Demonstranten – auf der einen wie auf der anderen Seite. Über die Politik, über die Politiker. Eine Meinung über die Medien und eine Meinung über das Bild, das unsere Stadt in diesen Tagen bietet.

Ich höre und lese diese Meinung tagtäglich. Und was ich registriere: All diese Wortmeldungen werden immer frustrierter, wütender und immer kompromissloser. Jeder beharrt darauf, auf der richtigen Seite zu stehen. Die einzig richtige Meinung zu vertreten. Und damit meine ich nicht die Hassprediger auf den Demonstrationen, nicht die Irren, die Ausländer in unserer Stadt angreifen. Oder die Irren, die in Leipzig Polizisten verprügeln. Nicht die, die mir und meiner Familie Gewalt androhen!

Ich meine uns, die wir hier sitzen. Wir stecken fest. Und weil das so ist, sind die Exzesse, die ich gerade benannt habe, erst möglich. In der festen Überzeugung, dass wir diesen Kreislauf aus Standpunkten und Gegenstandpunkten durchbrechen müssen – dafür stehe ich hier und heute, aber vor allem als Oberbürgermeister zur Verfügung.

Dresden kann auch Dialog. Die Kreuzkirche am Mittwochabend.

 

Allerdings unter zwei Bedingungen: Jeder von uns muss bereit seit, sich selbst und seine Meinung zu hinterfragen. Das gilt für die Politik, die Verwaltung; das gilt aber auch für Sie alle hier im Raum und für die Debatte in der gesamten Stadt. … Die zweite Bedingung: Ich bin nur bereit, auf dem Boden des Grundgesetzes zu agieren, und erwarte dies auch von meinem Gegenüber. Dies schließt jede Gewalt und jede Hetze aus.

Und noch einen letzten Gedanken: Dresden mag unter einem erheblichen Imageverlust leiden. Ich glaube aber, dass wir in der jetzigen Situation eine ganz besondere Chance liegt. Die Chance, dass wir über Demokratie, Toleranz und über Grenzen sprechen. Offen, kontrovers und ehrlich. Aus dieser Diskussion kann Dresden gestärkt hervor gehen, während in anderen Stadtgesellschaften vielleicht Dinge nur unter der Oberfläche brodeln. Lassen Sie uns diese Chance ergreifen und nicht dadurch wegwerfen, dass wir nur unsere Meinung für die richtige halten.“

 Quelle:

https://mopo24.de/#!nachrichten/buergerdialog-pegida-hilbert-appelliert-fuer-neuanfang-34123

Dresden

Die Stadt verstummt
in fliegenden KleinGeistern,
siebzigjähriger Atem
verhaucht

Heimatliches Tal,
einst so verträumt,
trägt AngstSchweiß
im Genick.

©Sylvia Kling

Mehr möchte ich persönlich heute nicht dazu sagen.

NPD-Verbot rückt näher – richtig oder falsch und der Film „Er ist wieder da“

Auch, wenn ein Verbot der NPD so manchem nicht behagt und ich durchaus einige Zweifel als verständlich empfinde (ein „Verbot“ in den Köpfen der Menschen kann nun einmal nicht stattfinden!), bin ich inzwischen für den Verbot. Irgendwann müssen wir mal anfangen, diesem nationalsozialistischen Handeln und dem Vertreiben von deren Gedankengut „auf die Pelle zu rücken“.

Hierbei sei auch auf den Film „Er ist wieder da“ hinzuweisen. Ein Film, der recht deutlich (und auch hier geht es nicht mehr prägnanter) darauf hinweist, wie nah uns das rassistische Potenzial kommt. Hier ein Auszug aus einem sehr lesenswerten Artikel zum Film auf

https://wordpress.com/read/post/feed/31462314/882376265

„Den Zenit des Filmes bildet das Interview mit einem NPD-Funktionär. Hitler fragt diesen, ob er mit ihm in den Krieg ziehen möchte. Schließlich ist der Roadtrip nicht nur eine Fantour, sondern in erster Linie eine Rekrutierungsmission für einen weiteren, deutschen Krieg. Dieser antwortet dem Führer nicht sofort, sondern bittet ihn, die Kamera auszuschalten. Auf der Tonaufnahme, die weiterläuft, hört man den Funktionär dann sagen: “Wenn Sie der echte wären, schon.” Angeregt von all den Erfahrungen, die Hitler auf seinem Weg durch Deutschland gemacht hat, kommt er letzten Endes zu einem vernichtenden Fazit, nicht für sich, sondern für das deutsche Volk. Denn er ist sich sicher: “Mit diesem Material kann ich arbeiten!”

Und genau darin liegt das Problem dieser Tage. Wie hoch ist das rassistische Potenzial eigentlich in uns allen? Und ist ein solcher Krieg, wie er 1939 angezettelt wurde, in der heutigen Zeit angesichts der Flüchtlingsdramatik und des Kriegseintritts in Syrien wirklich noch so undenkbar?

Was ist eine Demokratie wert, wenn sie zwangsläufig dazu führt, dass wir uns mit der Duldung der NPD in weiteren Folgen des Nationalsozialismus in keiner Demokratie mehr befinden könnten? Beschäftige man sich mit der Geschichte, erkennt man, was mit Andersdenkenden geschieht, lässt man die NPD auch nur rudimentär Platz zum Agieren, Skandieren, Regieren.

Ich verweise damit nochmals auf meinen gestrigen Beitrag – den rebloggten Beitrag der von mir hochgeschätzten Autorin Martha Frei, der sich mit den Folgen auseinandersetzte – haarscharf und „beinhart“, wie ein Leser im Kommentar auf den Beitrag Marthas schrieb.

Sylvia Kling

Nun zum Artikel (Quellen unten aufgeführt):

„Ein Verbot der Nationalsozialistischen Partei NPD durch das höchste deutsche Gericht scheint nun möglich, nachdem ein erster Anlauf im Jahr 2003 scheiterte. Ein jahrelanger politischer Streit bekommt nun wieder Aufwind.

Das Bundesverfassungsgericht soll die Entscheidung jetzt treffen. Möglichst endgültig und unanfechtbar. Die Hürden für ein Parteiverbot liegen in Deutschland hoch. Kein Minister, keine Partei im Bundestag darf eine andere Partei einfach so abschaffen. Das darf nur das Bundesverfassungsgericht, als höchste juristische Instanz, als Wächter über das Grundgesetz. Deshalb wird es darum gehen, nachzuweisen, dass eine Partei die freiheitliche demokratische Grundordnung beeinträchtigt oder diese zu beseitigen versucht oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährdet. Die Vorkommnisse in zwei Orten könnten ein Beleg dafür sein.

Heidenau und Tröglitz. Zwei Orte in Ostdeutschland, die traurige Berühmtheit erlangt haben. InHeidenau warfen aggressive Rechtsextreme bei einer Demonstration Molotowcocktails auf eine Flüchtlingsunterkunft. In Tröglitz brannte ein Asylbewerberheim. Es gab Morddrohungen gegen Befürworter der Flüchtlingsunterkunft. Daraufhin trat der Tröglitzer Bürgermeister zurück, weil er sich und seine Familie konkret in Gefahr sah.

Diese dramatischen Entwicklungen könnten dem Bundesverfassungsgericht ein Beweis dafür sein, wie gefährlich die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) geworden ist. Im März 2016 wollen die Verfassungsrichter über das Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme Partei verhandeln. Damit rückt ein NPD-Verbot erstmals in greifbare Nähe.

Zahlreiche Anschläge auf Flüchtlingsheime: Einige Brandstifter haben Kontakt zur NPD

V-Männer und andere Hindernisse

Die Debatte um ein mögliches Verbot einer Partei, über die sich viele Menschen in aller Welt wundern, dass es sie immer noch in Deutschland gibt, beschäftigt Politiker des demokratischen Spektrums schon lange. Bereits vor über zehn Jahren – 2003 – scheiterte ein erster Verbotsantrag. Damals lehnte das Bundesverfassungsgericht die vorgelegten Beweise im Verbotsverfahren ab, weil zahlreiche Vertrauensleute, sogenannte V-Männer, der NPD-Führungsriege angehörten. Mit diesen angeworbenen V-Leuten hätte nämlich der Staat selbst und damit der Betreiber eines Partei-Verbots Beweise gesammelt. Das darf nach der Verfassung nicht sein. Dieser allgemeine Schutz vor einem willkürlichen Parteiverbot schützte damals auch die NPD.

Diese Hürde scheint nun aber ausgeräumt. V-Leute werden im aktuellen verfahren nicht mehr entscheidend eingebunden. Nun lautet der Knackpunkt: Reichen die Beweise aus, um zu zeigen, dass die NPD verfassungswidrig ist und aktiv gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung vorgeht?

Der Berliner Extremismusforscher Hajo Funke beobachtet die rechte Szene schon lange. Er sagt, die Argumente für ein Verbot wachsen von Woche zu Woche: “Die NPD ist eine der aktiven Agitatoren der flüchtlingsfeindlichen und fremdenfeindlichen Angriffe und Demonstrationen.”

Pro NPD-Parteiverbot: Extremismusforscher Hajo Funke

Jeder Anschlag auf ein Flüchtlingsheim, bei dem die Täter sich im NPD-Umfeld bewegen, sei ein neuer Beweis für das Bundesverfassungsgericht. Ausschreitungen wie in Tröglitz wertet Funke daher als geradezu “bilderbuchartigen Fall für die Gefährlichkeit dieser neonazistischen Partei.” Ein Verbot hat diesmal realistische Erfolgschancen, schätzt der Politikwissenschaftler.

Rechtsextremismus per Verbot stoppen?

Doch lässt sich die rechtsextreme Gesinnung in den Köpfen von NPD-Sympathisanten tatsächlich durch ein Parteiverbot eindämmen? Es ist die entscheidende Frage in der Diskussion um ein Verbotsverfahren. Quer durch alle Parteien gibt es Skeptiker. Sie fürchten, ein Verbot spiele den Rechtsextremen indirekt in die Hände. Tausende NPD-Anhänger könnten – offiziell verboten – als Rechtsterroristen in den Untergrund abtauchen, so die Argumentation. Manche sagen auch: Selbst extreme Ansichten gehören in einer Demokratie zur Meinungsfreiheit. Extremismusforscher Funke entgegnet: “Die Meinungsfreiheit endet dort, wo das Kerngrundrecht verletzt wird oder zerbrochen werden soll.”

Auch im Umfeld der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung gibt es NPD-Sympathisanten

Klar ist: Rechtsextremismus verschwindet nicht automatisch durch das Verbot einer rechtsextremen Partei. Eine tief verinnerlichte Ideologie lässt sich nicht einfach eindämmen, weiß auch Extremismusforscher Funke. Aber ein Verbot würde allen Mitläufern und Sympathisanten deutlich machen: Was ihr tut, ist nicht rechtens. Auch verunsicherte Polizisten und lokale Bürgermeister, die nicht wissen, wie sie sich gegen Rechtsextreme wehren sollen, erhielten durch ein Verbot rechtliche Rückendeckung. “Ein Verbot sichert vor der Gefahr der Gewalt durch Neonazis”, sagt Funke. “Die, die im Schatten von Pegida und AfD als Gewalttäter agieren, könnten so eingedämmt werden.” Die “faschistische Propaganda” aus dem NPD-Umfeld werde auch von Pegida-Anhängern genutzt.

Parteiverbot – in Europa unbekannt

Rechtsextreme Parteien sind nicht nur in Deutschland in der Diskussion. Der Sieg des Front National bei den französischen Regionalwahlen zeigt, wie verführerisch extreme Positionen vielen Wählern angesichts steigender Flüchtlingszahlen erscheinen. Ein Verbot wäre allerdings in Frankreich nicht ohne weiteres denkbar. Auch in Staaten mit langer demokratischer Tradition wie Großbritannien oder den USA sind Parteiverbote nicht in der Verfassung vorgesehen, weil sie als Beschränkung der Meinungsfreiheit gewertet werden. Anders in Deutschland: Als Konsequenz aus dem Nationalsozialismus will das Grundgesetz jegliche Volksverhetzung vermeiden. Ein wichtiger Passus, sagt Hajo Funke, insbesondere in “gesellschaftlich kritischen Situationen”, wie sie derzeit in Deutschland vorherrschen.

Prozess keinesfalls umsonst

Das Hauptverfahren gegen die NPD ist am Dienstag eröffnet worden. Die Innenminister der Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, Holger Stahlknecht (CDU) und Lorenz Caffier (CDU) begrüßen dieses Signal. Unabhängig vom Ausgang sei dies ein “Sieg für den Rechtsstaat”. Selbst wenn es nicht zu einem NPD-Verbot käme, gebe es dann eine höchstrichterliche Entscheidung darüber, wie in Deutschland zukünftig mit solchen Parteien umzugehen sei. Das wäre wichtig für weitere Diskussionen und strategische Ausrichtungen.“

Quelle: Deutsche Welle

https://hajofunke.wordpress.com/2015/12/08/dw-npd-verbot-rueckt-naeher/

Der Terrorkonzern – für alle, die es genau wissen wollen! Oder: „Willst du die Welt verändern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.“

Diejenigen, die sich doch mal intensiver mit dem „Terrorkonzern“ beschäftigen möchten,  um sich über die weitreichenden Folgen dessen im Klaren zu werden, empfehle ich diesen, unten genannten Artikel in „TELEPOLIS“.

Ich bin dafür, dass jeder Mensch (auch ich!) darauf achten sollte, welche Medien er „konsumiert“. Das Wort „Lügenpresse“ möchte ich nicht in den Mund nehmen. Wir alle wissen, wie „ausgeleiert“ und negativ besetzt es inzwischen ist. Doch immer wieder sehe ich, dass kaum einer sich noch die Mühe macht, die Nachrichten zu differenzieren, respektive zu selektieren. Oft – und das ist eine unübersehbare Tatsache – werden wir auf die falsche Fährte geführt. 

Das führt zur Desinformation und teilweise auch ohnmächtigem Verhalten in Teilen der Bevölkerung. Dieser Überfluss von Informationen, das probate Mittel „Brot und Spiele“ in Verbindung mit gewolltem Konsum-„Terror“ und dem krampfhaften Versuch, sich mit Weihnachten 2015 eine Nische zu schaffen, in welcher wir uns zum eigenen Schutz verkriechen können, ist in meinen Augen ein durchaus bewährtes Mittel – doch aber  ambivalent.

Liebe ist ein Zaubermittel, Liebe untereinander, Liebe – auch ohne Weihnachten!

Dennoch bin ich dafür, dass wir alle  (auch ich!) „drei Mal durch das eigene Haus gehen, ehe wir die Welt verändern wollen“ – chinesisches Sprichwort. Hierzu passt ebenfalls:

„Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür, dann wird die ganze Straße sauber.“

Der Terrorkonzern

Tomasz Konicz 15.07.2014

Die Steinzeitislamisten der Terrorgruppe ISIL mögen eine Rückkehr in ein imaginäres Mittelalter predigen, ihre Methoden sind aber hochmodern – und dem internationalen Geschäftsleben abgeschaut

Kein politischer und weltanschaulicher Abgrund scheint größer als der zwischen dem neoliberal-kapitalistischen Westen und den Steinzeitislamisten der Terrorgruppe ISIL bzw. IS (Islamischer Staat), deren Führer Abu Bakr al-Bagdadi jüngst bei einer gespenstisch anmutenden Predigt im kürzlich eroberten Mosul eine Art totaler Kriegserklärung gegen alle „Ungläubigen“ abgab („Versetzt die Feinde Allahs in Schrecken“).

IS-Führer al-Bagdadi bei einer Predigt in Mossul. Alle Bilder aus ISIL-Propagandavideos

Und dennoch kommen etliche Beobachter im Westen nicht umhin, die evidenten Ähnlichkeiten bei Organisationsformen, Strukturen und Öffentlichkeitsarbeit zwischen der Terrortruppe und dem Rückgrat der westlichen „freien“ Marktwirtschaft, den transnationalen Großkonzernen, zu bemerken. ISIL operiere wie ein „multinationales Unternehmen“, titelte etwa der britische The Telegraph, während die in Wirtschaftsfragen bewanderte Financial Times zu der Schlussfolgerung gelangte, das Dschihadisten-Netzwerk strebe letztendlich danach, „Terror zu verkaufen“.

ISIL sei kein Konzern und habe keine Aktionäre, aber die militärischen Erfolge und die Brutalität der Dschihadisten im Irak seinen „auf einem Niveau der Präzision festgehalten worden“, das zumeist der Buchführung von Konzernen vorbehalten sei, so die Financial Times. In regelrechten Jahresberichten lege ISIL detailliert Rechenschaft ab über die Fortschritte ihrer Terrorkampagne. Ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI6 kommentierte: „Sie produzieren sie nahezu wie ein Konzern, mit Details über Märtyrer-Operationen und Ziele. Du kannst hier eine klare umfassende Struktur, Planung und Strategie in der Organisation erkennen.“ Die Direktorin des US-Thinktanks Institute for the Study of War, Jessica Lewis, erläuterte gegenüber Telegraph: „Sie haben einen Geschäftsplan und ihr primäres Geschäftsfeld besteht in Expansion durch Eroberung. Es ist eine sehr effektive Institution und das macht sie zu einem sehr effektiven militärisch-nationalen Konzern.“

Jahresberichte des Terrors

Beide Zeitungen berufen sich auf eine Analyse des Institute for the Study of War, bei der die „al-Naba“ genannten Jahresberichte des ISIL eingehend untersucht wurden, die für die „Geschäftsjahre“ 2012 und 2013 erstellt und der interessierten Öffentlichkeit zur Einsicht vorgelegt wurden. Wie es für ein Unternehmen üblich ist, stehen hierbei vor allem Zahlen im Mittelpunkt dieser Berichte. In professionell erstellten und seriös anmutenden Infografiken werden hierbei die Fortschritte des ISIL bei seiner Terrorkampagne im Irak dokumentiert.

Der interessierte Leser kann so einer gediegenen Grafik entnehmen, die in ihrer Aufmachung dem Public-Relations-Abteilungen westlicher Unternehmen entsprungen sein könnte, dass ISIL im vergangenen Geschäftsjahr (das von November 2012 bis November 2013 reichte) exakt 7681 militärische Operationen im Irak durchführte; hierunter fallen 1083 Mordanschläge, 607 Mörserattacken, 1015 Sprengstoffangriffe gegen Häuser und Gebetsräume von Ungläubigen, 537 Autobomben oder 238 Selbstmordanschläge (160 mit „Selbstmordwesten“, 78 mit Fahrzeugen durchgeführt). Etwas vage sind die Angaben zur Anzahl „vertriebener Schiiten“ und „bekehrter Ungläubiger“, die mit jeweils „mehr als 100“ angegeben werden.

Wer es genauer wissen will, dem bietet die Öffentlichkeitsabteilung des ISIL in den Jahresberichten auch eine detaillierte Darstellung der einzelnen Kategorien von Terrorakten dieses Terrorkonzerns. So können wir erfahren, dass ISIL 2013 beispielsweise über 887 Panzerfäuste, 359 Mörser oder 633 Handfeuerwaffen verfügte. Bei den genannten Zahlen soll es sich „nicht um reine Propaganda halten“, erklärte ein Analyst des Institute for the Study of War gegenüber Daily Mail. Ein großer Teil des Zahlenmaterials konnte – durch Vergleich mit Zweitquellen – „bekräftigt“ werden.

Der menschenverachtende Irrsinn, der in dieser rund 400 Seiten starken Terrorstatistik zusammengefasst wurde, hat durchaus Methode. Der ISIL wolle durch diese Jahresberichte „neue Geldgeber gewinnen“ und seine zunehmende strukturelle Effizienz demonstrieren, urteilt das Institute for the Study of War. Letztendlich fungieren diese „Geldgeber“ also doch als eine Art von Anteilseignern, die mit einer möglichst guten Performance bei Laune gehalten werden müssen – ansonsten könnten womöglich die Kapitalzuflüsse verebben.

Ein weiterer Beweggrund, mit konzernartigen „Jahresberichten“ für Finanzmittel zu werben, wird bei einem Blick auf das Zielpublikum dieser Machwerke ersichtlich. Es handelt sich überwiegend um reiche Geschäftsmänner aus den Golfdespotien der arabischen Halbinsel, denen so umfangreiches Informationsmaterial zu Hand gegeben wird, das sich in seiner Aufmachung nicht wesentlich von den Hochglanzbroschüren unterscheidet, die für gewöhnlich um Investitionen im Erdölsektor oder in der Energiewirtschaft werben. Der Nahostexperte Michael Lüders spricht gegenüber der Deutschen Welle (DW) von einer „ambivalenten Haltung“ Saudi-Arabiens, das jüngst 30.000 Truppen an der Grenze zum Irak zusammenziehen ließ, gegenüber der Terrortruppe:

Die saudische Regierung selber unterstützt ISIL nicht direkt. Aber insbesondere reiche saudische Geschäftsleute lassen ihnen Geld zukommen. Wie viel, ist unklar. Und soweit wir es ermitteln konnten, tuen es Araber in den anderen Golfstaaten genauso. Jene, die ISIL unterstützen, sehen es als ein Bollwerk gegen die Schiiten und die von Schiiten geführte Regierung des Iran.

Lüders Kollege vom Mainzer Centre for Research on the Arab World (CERAW), Günter Meyer, erklärte gegenüber DW, die wichtigsten Finanzquellen für ISIL bestünden bis Mitte 2014 aus den Zuwendungen „aus den Golfstaaten, primär Saudi Arabien, aber auch Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten“.

Ein Teil der Erdöleinnahmen der Golfstaaten, mit denen die Aufrechterhaltung des Autowahns in den Zentren des kapitalistischen Weltsystems ermöglicht wird, fließt somit an die Terrormilizen in dessen peripheren Zusammenbruchsregionen (Mad Max im Zweistromland). Die Deviseneinnahmen für das Erdöl, das in den Tanks sprithungriger SUVs verfeuert wird, wandeln sich so mittelbar in die „Produkte“ dieses Terrorkonzerns: In geköpfte „Ungläubige“, in Flüchtlingselend, abgehackte Hände, archaischen Tugendterror, gesprengte Moscheen und Kirchen, vergewaltigte Frauen und Kinder.

Diese Investitionen aus den despotischen Theokratien der Golfregion haben sich offensichtlich ausgezahlt. Mit der Einnahme von Mossul und der Expansion in weiten Teilen Iraks und Syriens ist ISIL – der zugleich mit der Umbenennung zum „Islamischen Staat“ (IS) einen Imagewechsel einleitete – zu der weltweit mit weiten Abstand vermögendsten Terrorgruppe aufgestiegen. Rund 425 Millionen US-Dollar sollen die Dschihadisten bei Plünderung der Zentralbank von Mosul eingenommen haben. Da der Terrorkonzern bereits vor der Einnahme von Mossul über Vermögenswerte von rund 875 Millionen US-Dollar verfügte, sollen sich diese durch „Bankraub und erbeutete Militärvorräte“ im Zuge der erfolgreichen Offensive nun auf rund zwei Milliarden US-Dollar summieren.

Während einer Predigt von al-Bagdadi in Mossul

Profitabler Terror

ISIL betreibt somit eine erfolgreiche Plünderungsökonomie im vom Staatszerfall voll erfassten Zweistromland, bei der die „Kriegsbeute“ den Treibstoff weiterer militärischer Expansion liefert. Geplündert und verscherbelt wird von den Islamisten auch das historische Erbe des Zweistromlandes, das als die Wiege der Zivilisation bezeichnet werden kann. Archäologische Stätten und Museen werden von den Milizionären nach wertvollen Artefakten durchsucht, um sie anschließend auf dem Schwarzmarkt feilzubieten. Die Einnahmen aus diesem Geschäftsfeld beliefen sich auf Dutzende von Millionen US-Dollar. Allein die Plünderung einer einzigen Ausgrabungsstätte in Syrien soll 36 Millionen US-Dollar in die Kassen der Gotteskrieger gespült haben.

Daneben ist die Terrortruppe längst auch auf klassischen Geschäftsfeldern präsent, sodass sie der „Anschubfinanzierung“ durch reiche Gönner aus den Golfdespotien kaum noch bedarf. ISIL kontrolliert inzwischen viele Ölfelder in Syrien und dem Irak die der Gruppe stattliche Einnahmen aus dem grassierenden Ölschmuggel in der Region verschaffen (Syrische Rebellengruppen schließen sich „Islamischem Staat“ an). Bei der Auswahl ihrer Geschäftspartner sind die Islamisten nicht gerade wählerisch: Sie liefern den Rohstoff auch an das syrische Regime von Präsident Al-Assad, das die Gotteskrieger als ihren Todfeind betrachten.

Ein weiteres Feld für Kapitalakkumulation erschloss der Terrorkonzern ISIL in allen möglichen Formen der organisierten Kriminalität – Mafiosi sind ja nichts anderes als Unternehmer, deren Produkte und Dienstleistungen (Drogen, Waffen, Auftragsmorde, Entführungen, Menschenschmuggel, etc.) illegal sind und die sich folglich auf gänzlich unregulierten Märken bewegen (Ist das nicht letztendlich der Wunschtraum eines jeden Neoliberalen?). Die Grenzen zwischen mafiösen Strukturen und islamistischen Tugendterror sind im Nahen Osten folglich fließend.

ISIL sei immer weniger auf die Zuwendungen reicher Spender angewiesen, da nun ein großer Teil der Einnahmen aus „kriminellen Aktivitäten“ generiert würde, erläuterte die Zeitschrift Foreign Policy. Hierzu zählen Schutzgelderpressung (als „Steuern“ bezeichnet), Schmuggel (Öl, Drogen), Entführungen, Banküberfälle oder Geldwäsche. Allein die „Barreserven“ dieses Terrorkonzerns, die aus diesen klassischen Mafia-Tätigkeiten resultieren, sollen sich auf „bis zu 500 Millionen US-Dollar“ belaufen.

Waffen sind wie schon bei Bin Ladens Auftritten immer dabei.

Die New York Times sieht in der zunehmenden „Kommerzialisierung“ islamistischer Terrornetzwerke gar einen globalen Trend, der von den Taliban mit ihrer Heroinindustrie begründet und von ISIL auf die Spitze getrieben wurde. Al-Qaida im Maghreb, Boko Haram oder die somalischen Shabab-Milizen würden „lokale Gelegenheiten zum Geldverdienen“ immer besser nutzen. Hierzu zählten Entführungen, Schmuggel, Geldwäsche, Schutzgelder oder Überfälle und Plünderungen. Die ISIL sei inzwischen dazu übergegangen, eine regelrechte „Kriegsökonomie“ aufzubauen, bei der die Kontrolle über die Überreste der lokalen Ölindustrie und der „Ausverkauf des Eigentums und der Ausrüstung“ der kollabierten Regierungen Einnahmen generieren würden. Dieses „auf Profiterzielung ausgerichtete Militanzmodell“ habe der Milizbildung auf der ganzen Welt „neues Leben eingehaucht“.

Und tatsächlich verwandeln diese ungeheuren Finanzmittel ISIL in ein organisatorisches Gravitationszentrum in der gesamten Region, das Islamisten, Milizionäre und perspektivlose Jugendliche gleichermaßen anzieht. Die Terrorgruppe kann sich bereits jetzt eine riesige Armee schlicht zusammenkaufen. In der Ukraine kostet ein Milizionär rund 1000 US-Dollar monatlich (Der gescheiterte Staat von nebenan), doch im Nahen Osten sind die Preise aufgrund des weitaus größeren Elendsniveaus niedriger, wie ein Nahost-Analyst in der Washington Post vorrechnete:

Zum Beispiel könnte ISIL für 425 Millionen US-Dollar über ein ganzes Jahr hinweg 60.000 Kämpfern 600 US-Dollar monatlich zahlen.

Eine Ausbildung der neu rekrutierten Kämpfer ist oftmals nicht nötig, da inzwischen ganze kampferfahrene Verbände rivalisierender Gruppierungen zu den in Bargeld schwimmenden Gotteskriegern des „Islamischen Staats“ überlaufen. Eine rund 1000 Mann starke syrische Rebelleneinheit soll kürzlich mitsamt etlichen erbeuteten Panzern zum ISIL in der Idlib-Provinz übergelaufen sein (Syrische Rebellengruppen schließen sich „Islamischem Staat“ an). Ähnliche Berichte kommen aus der ostsyrischen Grenzstadt al-Bukamal, wo einige Fraktionen der „säkular“ ausgerichteten FSA sich dem ISIL angeschlossen haben sollen.

Für viele marginalisierte Jugendliche in der ökonomisch daniederliegenden Region stellt eine „Karriere“ beim „Islamischen Staat“ die schlicht einzige nennenswerte Perspektive dar, um Elend und Hunger zu entgehen. Der Spiegel berichtete etwa von einem jugendlichen ISIL-Milizionär aus einem verarmten konservativen Stadtteil von Istanbul, der sich den Islamisten angeschlossen habe, nachdem man ihm „400 Dollar im Monat“ versprochen habe. Ein für ISIL kämpfender Milizionär aus Syrien nannte im Interview mit Welt-Online ausdrücklich den gerüchteweise verbreiteten Reichtum der Gotteskrieger als einen wichtigen Grund für deren erfolgreiche Rekrutierungskampagne: „Angeblich bekamen die Kämpfer zur Hochzeit Zehntausende Dollar. Viele sollen einen BMW X5 fahren.“ Diese Aussage verdeutlich den postmoderne Gemütszustand vieler jugendlicher Dschihadisten, der kaum noch Ähnlichkeiten mit der klassischen islamischen Religion aufweist: Sie möchten im BMW X5 in die Steinzeit zurückfahren.“

Zum Original-Artikel:

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42252/1.html