Alltag in Sachsen – einer, an den ich mich nie gewöhnen werde

Gestern  in Radeburg:

Gerade unterhielt ich mich noch mit einer Freundin über diverse, gesellschaftlich-politische Zustände in Sachsen.
Sie umarmte mich zum Abschied und sagte:
„Ärgere dich nicht so!“
Recht hatte sie. Beschwingt verließ ich ihren Laden und schlenderte wieder Richtung Markt.
Der Tag war einfach zu schön. Erste Frühlingsgefühle durften sich einstellen. Die freundliche Frau in der Post und ich machten wie stets unsere Scherze. Es war ein Tag zum Glücklichsein!

Ich stieg in mein Auto, ließ die Scheiben herunter. Ein tolles Gefühl!
Neben mir hielt ein Fiat. Ein junger Mann stieg aus und das Outfit sowie die „Frisur“ verrieten mir sogleich, in welchen „Strömungen“ er zu finden war. Auf dem Beifahrersitz saß eine blonde Frau. Doch ich überlegte noch, ob ich alles eingekauft und erledigt hatte. Immerhin wohne ich auf einem Dorf, in welchem es kein einziges Geschäft gibt.

Der Mann sah zu mir, beugte sich zu seiner Beifahrerin herunter und sagte deutlich vernehmbar, mit Blick in meine Richtung: „Jetzt fahren diese Ausländerschlampen schon unsere Autos.“
Mit aggressivem Blick begutachtete er mich. Die Freundin sah angewidert zu mir herüber und lachte abfällig.

Er ging um mein Auto herum, sah mein Kennzeichen, stellte sich dicht an dieses und spuckte lautstark und demonstrativ vor sich hin.

Dann lief er weiter und drehte sich immer wieder mit seinem aggressiven Gesichtsausdruck zu mir um.

Angst hatte ich keine. Außerdem sah ich, dass mein „Lieblingsdönermann“ am Markt schon aufmerksam zu mir sah.

Doch nachdenklich wurde ich, wieder einmal mehr.

Ich sah zu, das Auto anzulassen – übrigens ein Toyota – nix mit Deutsch und „unseres“.

In der Tat: Es war ein schöner Frühlingstag.
Da können schon von so manchem Nazi die Negativemotionen Purzelbäume schlagen!

Dieses Statement gab ich gestern auf Facebook ab (eingestellt „für Freunde“).  Ich erhielt dazu sehr viele Kommentare. Einige davon möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Vielleicht solltest Du den Beitrag einfach zur Info an die Zeitung mailen. Zur Kenntnisnahme. Und ruhig das Autokennzeichen dazu, wenn Du es hast. Ich hab zwei ähnliche Szenen kurz nach der Maueröffnung mit meiner Ex, erkennbar eine Syrerin, erlebt. Im Lokal sagte einer am Nachbartisch: Normal setz ich mich nicht neben sowas . . . Gut, dass ich so perplex war, dass ich gar nicht reagierte, wer weiß, was sonst passiert wäre. – Dein Schluss-Satz verrät, dass Du es versuchst, mit Humor zu nehmen. Das finde ich gut, ansonsten finde ich das Ganze einfach schlimm!
Dominik H.:
Die werden immer bekloppter und ungebildeter die Menschen. In Brandenburg und Berlin hab ich das noch nicht erlebt. Eine ähnliche Situation gab es doch in Dresden schon, im Fröbeleck.
Das ist eine gute Idee! Ich hatte mal in einschneidendes Erlebnis in jüngeren Jahren. Ich war im Sommer immer extrem braun. Wir waren in einer Gaststätte und ich wurde von erkennbaren Nazis beobachtet. Der Blick heute erinnerte mich an damals. Sie ließen mich nicht aus den Augen. Wir bekamen Angst und der Wirt ließ uns aus dem Hinterausgang raus. Ich tat so, als ob ich auf das WC müsste. Mein Mann folgte nach zwei Minuten. Der Inhaber der Kneipe – ein Freund von mir – flüsterte mir zu: „Bezahlung nächstes Mal!“. Als wir im Auto saßen, standen die Typen vor der Tür. Da fuhren wir schnell los. Schön war das nicht.
Angelika R. – Sachsen:
Eigentlich wollte ich nicht hierauf schreiben, aber auch das, ist nicht „Alltag in Sachsen“, wie eben auch nicht alle Sachsen Idioten, Nazis oder Rassisten sind. Dumme Menschen gibt es überall, auch ich habe das schon als Kind erfahren müssen. Auf einem Blog jetzt ganz Sachsen für einen Schwachmaten schlecht zu machen, finde ich ebenfalls nicht richtig, sorry.
Sorry, aber ich gehe mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und ich lebe in einer Gegend, in der es kaum noch Menschen gibt, die weltoffen und tolerant sind. Es reicht mir schon zu, wenn ich bei REWE oder im NETTO einkaufen gehe, mir reichen Gesprächsfetzen, mir reicht auch das Erlebnis aus dem letzten Sommer und das, was ich TÄGLICH (!!!) hier, bei Großenhain und Radeburg erlebe. Angelika, sind wir doch mal ehrlich: In Sachsen tummeln sich diese Leute – sieh Dir doch alles an, lies auf den Blogs, die sich intensiv TÄGLICH damit befassen /z.B. bei Markus Pappritz. Wir alle können „unsere Sachsen“ nicht mehr in Schutz nehmen. Und jene, die vielleicht nicht so drauf sind, die schweigen. Eine Frage: Warum passiert das solchen Menschen wie mir oder besser gesagt jenen, die nicht aus D kommen, ausgerechnet in Sachsen gehäuft immer wieder, besonders geballt in gewissen Gegenden? Warum tendenziell nicht so häufig anderswo? Nö, mir reicht es und das schon länger. Mir muss niemand mehr was erzählen. Vor einem Jahr habe ich bei WEMEZE noch die Sachsen in Schutz genommen, denn ja: Nicht alle sind so. Aber es sind zu wenige, die den Mund aufmachen – inkl. Künstler! Da wurde ich von Lesern bei Wemeze angegriffen. Heute mache ich das nicht mehr. Ich wüsste nicht, wie ich das erklären sollte. Mehr habe ich dazu nicht zu schreiben.
Doch – noch etwas: Es wird vielleicht ZEIT, dass es auf Blogs veröffentlicht wird. Denn es wird Zeit, dass diesen Schwachmaten mal die Ansage gemacht wird – und zwar von Menschen aus dem Volk und zuständigen Kommunalpolitikern!
Angelika R.:

Keine Verallgemeinerung hilft ein Problem zu lösen. Ich habe schon vor Jahren mit den rechten, verleitetet Jugendlichen gesprochen, nachdem vor mein Geschäft immer deren Sammelstelle zur Demo war. Die haben aufgehört meine Wände zu beschmieren und die Linken haben mir die Fenster eingeworfen, weil ich die Einsatzkräfte auf meinem Parkplatz und die WC benutzen hab lassen. Das Alles wurde von unseren „Kommunalpolitikern als Witz“ und „Kindergarten“ angesehen, 2008 wohl gemerkt…Es sind immer Menschen die etwas richtig oder falsch machen und im Moment läuft ganz viel falsch…Ich finde es nur noch schlimm, wie Menschen miteinander umgehen nur weil sie unterschiedliche Meinungen haben…Bitte nimm Dir das alles nicht so zu Herzen, Du brauchst Deine Gesundheit und Dein Leben für Dich!

Verallgemeinerung? Es IST doch schon Alltag.  Ich erinnere an meinen Artikel „Einwohnerversammlung in Kalkreuth“:
und an „Freunde – nicht fürs Leben“:
Zum ersten Artikel:  Von ungefähr 200 anwesenden Bewohnern war gerade mal EINE Frau dabei, die sich traute, sich anders zu äußern. Nur, weil 15 junge Flüchtlinge unter 18 Jahren (!) aufgenommen werden sollten. Deren Eltern sind verschollen. Sie sind auf sich alleine gestellt. Nein, diese Menschen hatten Angst, in Kalkreuth würde eine Moschee gebaut werden. Mit Legosteinen, oder wie? Von Empathie für diese Kinder keine Rede! „Ich, dann eine WEile nichts und dann wieder ICH!“ Sind die so beschränkt und weltfremd? Ich hatte schon Bedenken, es würden dort Stühle fliegen. Einer aus der „Heimatgruppe“ oder wie diese Leute heißen, rief rechtsorientierte Parolen aus und alle klatschten. Ich war fertig nach diesem Abend. Die Bürgermeisterin von Ebersbach meldete sich bei mir nicht, nachdem ich ihr mitteilte, diesen Artikel gern mit ihrer Genehmigung zu veröffentlichen bzw. an die Zeitung zu geben! Alles schön abdeckeln, nicht wahr? So läuft das hier, Angelika. Oder die Frau, die auf den „Dönerfritzen“ in Radeburg schimpfte. Abfällig: „Diese ekelhaften Kopftuchträgerinnen“. Im nächsten Moment erzählt sie, dass sie nach Ägypten in Urlaub fliegt und sie das DORT nicht stört …. Gehts noch? Wie dumm sind die denn? Nee, mit Verallgemeinerung hat das nichts mehr zu tun. Und wenn sich Schweigende angegriffen fühlen und sich herausgerissen fühlen aus ihrer heilen Welt: Bitteschön!

Angelika R.:

Sylvia, Alltag in Sachsen sind auch Übergriffe von Linken Autonomen, krimminellen Flüchtlingen und eben auch die der Rechten…für mich alles samt unerträglich. Ebenso wie die Tatsache, das die sächsische Landesregierung die Muslimbruderschaft Immobilien in Riesa, Meißen, Görlitz und Freiberg hat kaufen lassen, um Moscheen zu errichten. Das sind radikale Islamisten. Wenn wir das Eine anprangern, dann dürfen wir das Andere nicht todschweigen. Meine Meinung. Ich äußere mich jetzt nicht weiter, weil ich weiß dass Du eine andere Überzeugung hast. Hoffe aber Du kannst auch mit meiner Meinung leben…ich will einfach nur einen gerechten Umgang mit allen und das auch unterschiedliche Meinungen akzeptiert und respektiert werden…träumen darf man…und selber denken auch, weil die Gedanken frei sind…ich hoffe immer noch, jemand findet den Knopf zum Auschalten diesen ganzen Wahnsinns, der gerade abläuft…

Ja, man muss es von allen Seiten betrachten. Wenn man jedoch nicht bereit ist , sich zu bilden – außer mit der BILD – dann ist man selbstverständlich nicht bereit zu differenzieren und das EINE vom ANDEREN zu trennen, wie diese Idioten. Ich sage es nicht gern: Aber wir hatten auch schon grundsätzliche Probleme in unserem Land VOR der „Flüchtlingsproblematik“. Was ist denn da passiert? Wo waren sie denn da alle? Auf der Couch, selbstredend. Schweigend. Lief ja alles. Jetzt kriechen sie aus ihren Löchern. Mensch, wieder wollen sie „uns was wegnehmen“. Wofür waren wir denn 89 auf der Straße? Damit es uns allen besser geht, klar doch! Und nun? Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Altersarmut. Fremde. Letztere, die alles „hinten und vorn reingesteckt“ bekommen, nor? OHA, da haben wir endlich mal ein neues Feindbild. Früher war es Honecker. Oder Karl Eduard von Schnitzler.

Angelika R.:

 Ich kann nur von mir und meinem Umfeld sprechen….Wir waren 89 in Leipzig auf der Straße um für Meinungsfreiheit und Reisefreiheit zu kämpfen. Das Neue Forum war zum Anfang auch wegen diesen zwei Dingen auf der Straße. Als dann die politischen Einflüsse des Westens ihre Chancen witterten, hörten auch damals schon die Menschen nicht, was da auf sie zukommt. Gewollt haben wir, die wir die Anfänge taten, diese Entwicklung nicht! DAS Geld hat immer die Macht. Und DIE Mächtigen erreichen durch Lug und Betrug immer ihre Ziele, weil die breite Masse Mensch sich immer einlullen lässt. War schon immer so. Heute weiss ich auch nicht, wem ich noch trauen kann. Die Menschen werden nicht gefragt, man entscheidet über sie und nicht mit ihnen und genau das, birgt die Gefahr das Menschen sich von Schwätzern beeindrucken lassen….

Maren T.:

Das sind die Geschichten, die mich von einem Tagesausflug nach Dresden abhalten. Ich will das einfach nicht ertragen …..

Freunde von mir sind mit einer syrischen Familie nach Dresden gefahren, um Ihnen die Stadt zeigen. Sie hat Familie dort, kennt sich aus. Es wurde zum Spießrutenlauf in der Stadt und ihr Vater hat sie dann zum Bahnhof zurückgefahren, damit sie nicht nochmal mit dem Bus fahren mussten. Sie war geschockt und konnte es kaum ertragen ihre Heimat so zu erleben.
Kerstin K./Thüringen:
Das liegt aber nicht an Sachsen liebe Sylvia…du hattest einfach nur das Pech einen Dummkopf über den Weg (gefahren) zu sein…solche Dummen gibt es leider überall..

 

Sorry, ich habe eine andere Meinung darüber. Denn ich erlebe hier täglich Dinge (nicht mich persönlich betreffend), über die ich schon schweige. Ich fühle mich schon lange (!!!) nicht mehr wohl hier. Wir haben hier auch keine Freunde. Warum, muss ich nicht erklären!
Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass ich da, wo ich einen Großteil meines Lebens verbracht habe, bei Stuttgart, solch eine Situation möglich wäre. Und selbst hier, im tiefsten Bayern nicht. – Mag sein, dass ich da falsch liege, aber an ihrer Ausgewogenheit geht die Welt zugrunde, weil unsere Politiker so viel so lange weggeglättet haben. – Im Übrigen schreib ich herzlich gern Politives über Sachsen. Und ich hätte das auch veröffentlicht, wenn es im Saarland oder sonstwo stattgefunden hätte; dann wäre da gestanden: Alltag in Baden Württemberg.
Johannes Klinkmüller hat meinen Beitrag hier veröffentlicht:
(Im Übrigen ein überaus interessanter Blog!)

 

 (Eintragung in Facebook am gestrigen Tag):
Ich bin ab heute endgültig nicht mehr bereit, etwas schönzureden – aus Liebe zu meiner Heimat. Ich habe meine Vorstellungen von Leben und Menschlichkeit und als Humanistin stehe ich dazu. Ich stehe dazu, dass ich dem Menschen zutraue (es ihm auch zuzutrauen ist!), sich selbst und gegenseitig zu helfen.  Ich stehe dazu, dass ich eine Haltung habe, die von der Achtung der Würde des Menschen geprägt ist. (=Def. Humanismus)

 

 Es beinhaltet: Freiheit, Toleranz, Respekt vor anderen Menschen …
 Damit schließe ich diesen Beitrag.
Wir sehen uns ausgeschlafen!
Sylvia Kling

Dresden – immer und immer wieder …

Ja, in meiner Heimat ist ganz schön was los. Da wird kontrovers über die senkrecht aufgestellten Busse diskutiert, Oberbürgermeister, Dirk Hilbert, beschimpft und auch bedroht, der Minister, Martin Dulig, welcher schon den Dialog mit den besorgten Bürgern Dresdens sucht, nicht ausreden gelassen und vor dem 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens, werden wieder Naziaufmärsche erwartet.

Genau gesagt wird das an diesem Wochenende sein. Der fränkische Holocaust-Leugner Gerhard Ittner und die übliche Demo der lokalen Neonazi-Szene wird auflaufen.

„…  Der Franke ist wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocaust einschlägig vorbestraft. Schon 2016 wollte er in Dresden aufmarschieren, saß dann aber am 13. Februar im Gefängnis. Dieses Jahr will er vom Zwinger aus über die Marienbrücke in die Neustadt ziehen, um über Palaisplatz, Albertplatz und Hoyerswerdaer Straße wieder zurück auf die Altstädter Seite zu laufen.“

(Quelle: http://www.dnn.de/Specials/Themenspecials/13.-Februar/Dresden-drohen-am-Samstag-gleich-zwei-Nazidemos)

„Ganz dicht am Volkes Atem…ich würde immer noch gern kotzen.

Wir standen da…fassungslos…einige mit Tränen in den Augen…im Rücken: das Volk…mit Fäusten in der Luft und Schaum vor dem Mund…zwischen den Zähnen Trillerpfeifen…den Oberbürgermeister als Heuchler niederbrüllend, den Pfarrer der Frauenkirche mit „Hau ab“ übertönend…das Christliche Abendland, deutsche Werte mit Hass und Niedertracht verteidigend…Schande, Schande…Manaf…Zurück nach Syrien! So viele. So laut.

Vorne: drei Busse

So what?!

Etwas so Bodentiefes, Anstandsloses, Trauriges und Dummes ist mir selten so nah gekommen. Von angestautem Frust kann keine Rede mehr sein. Nach 100 sinnlosen Runden um den Block glaubt das niemand mehr.

Nicht mein Volk.
Zombies…

Danke  Manaf Halbouni…sehr gut reagiert…vermutlich hast Du mehr erreicht, als man es sich hat denken können…danke Dirk Hilbert und allen anderen…wirklich wichtig, immer wieder Haltung zu zeigen…aber wie das hier weiter gehen soll…keine Ahnung…wo sind die Bürger dieser Stadt?! Muss man das wirklich aushalten?

schockiert…M.“

(Quelle: Markus Papperitz/Dresden/Jurist)

„Gegen Pegida und Co“ schreibt auf Facebook am 23.01.2017:

+++ Die Versammlungsbehörde tut es wieder +++

Die Verwaltung der Landeshauptstadt will es nicht lernen

Wieder einmal mobilisieren mehrere Gruppen zum Gegenprotest gegen Pegida. Angesichts der jüngsten Verbalentgleisungen von Björn Höcke, ausgerechnet in Dresden, ist dieses Mal damit zu rechnen, dass mehr Menschen kommen, um gegen die rechtsgerichtete Bewegung zu demonstrieren, als in den vergangenen Monaten, in denen sich der Protest gegen Pegida in Grenzen hielt.

Und auch die Versammlungsbehörde tut das, was sie in der Vergangenheit immer wieder getan hat: mit abstrusen und zum Zeil an den Haaren herbeigezogenen Auflagen versucht sie den Gegenprotest so weit außer Hör- und Sichtweite von Pegida zu bringen, dass dieser eigentlich völlig sinnlos scheint. Damit verstösst die Versammlungsbehörde nicht nur einmal mehr gegen das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit in Hör- und Sichtweite, sondern sie demonstriert einmal mehr ihre emotionale Nähe zu Pegida.

Die großspurigen Ankündigungen des Oberbürgermeisters Hilbert nach dem Eklat am 03. Oktober, sich intensiver um einen fairen Umgang der Versammlungsbehörde mit Gegendemonstrationen zu bemühen, sind, wie wir schon erwartet haben, nichts als heiße Luft gewesen. Schließlich darf man ja nicht außer Acht lassen, dass Hilbert mit den Stimmen der Pegida-Bewegung zum Oberbürgermeister gewählt wurde.

Es ist traurig und zugleich beschämend, dass eine schöne Stadt wie Dresden von rechten Gruppierungen und offen rassistischen und menschenfeindlichen Leuten in eine rechte Ecke gedrängt wird und dass es die Mehrheit der Bevölkerung einfach nicht schafft sich laut und deutlich diesen Gruppen in den Weg zu stellen und ihnen Grenzen aufzuzeigen.

Mag die Stadt auch noch nicht verloren sein, der Oberbürgermeister und die Versammlungsbehörde sind es offenbar.“

Auf „Wemeze“ lese ich immer wieder Kritiken in den Kommentarleisten von Menschen außerhalb Sachsens:

Da fragt man sich warum Dresden das zulässt? 1. Holocaustgegner gehören nicht auf eine Demo, sondern in den Knast.
2. Hätte sich bestimmt ein Grund gefunden nein zu sagen: zufällig ist da schon was anderes angemeldet. Etc. Sind die tatsächlich so blauäugig zu denken, damit täten sie Dresden einen Gefallen?
Liebe Bürger von Dresden: wehrt euch!

 

 
Wer schweigt, stimmt zu. Ich hoffe, dass Dresden sich bald mal gegen diese Horden stellt!“

 

Liebe Dresdner, kriegt Euren Allerwertesten mal hoch und stellt Euch gegen die rechte Brut!

 

Kann denn nicht endlich mal Schluß sein? Warum wird denn diese schöne Stadt so benutzt? Bzw lässt sich benutzen?

Es ist schwer, sich gegen Rechts zu stellen. Niemand sagt, es wäre ein Vergnügen. Es kann – infolge der Tatsache, dass sich Versammlungsbehörde, Polizei und Justiz auf rechtem Auge blind zeigen – in Dresden durchaus demotivierend sein. Doch wann war es in der Geschichte jemals leicht, sich für Menschlichkeit einzusetzen?

Wo sind die guten, alten WiderstandskämpferInnen?

Wie seht Ihr das? Mich macht es unendlich traurig. Die Entwicklungen sind beängstigend und alarmierend!

dresden

Wir sehen uns ausgeschlafen.

Eure Sylvia Kling

Die Säue, die durch das Dorf getrieben werden

„Wenn man die Entwicklung in sozialen Netzwerken betrachtet, wird eines deutlich:
Die Deutschen brauchen entweder Einen, den sie anhimmeln (auch, wenn er wenige Zeit zuvor als Wildsau durch das Dorf getrieben wurde) oder Einen, den sie verteufeln können.

Mir fehlt die Mitte, ein differenzierter Blick.
Die Welt ist nicht in schwarz oder weiß einzuteilen.“

Mit diesem Statement  (nur für Freunde sichtbar) am gestrigen Tag beendete ich meinen Abend im sozialen Netzwerk Facebook.

Konsterniert musste ich in den letzten Tagen beobachten, wie „die neue Sau durch das Dorf getrieben wird“, wie Menschen – egal, welcher Partei angehörig – beschimpft und mit Polemik (angeblich sei es dem „Sarkasmus“ zuzuordnen – die Definition sollte man sich schon mal zu Gemüte führen, wenn man glaubt, sarkastische oder ironische Wortgebilde erstellt zu haben …)  degradiert werden. Greifen wir zu dieser Art von Herabwürdigung anderer Menschen, fehlen uns wohl die Argumente – oder wie darf ich das verstehen?

Als ich heute also Facebook öffnete, um für mein neues Buch zu werben, entdeckte ich den neuen Beitrag der befreundeten  Friedensaktivistin und Journalistin Evelin Piétza. Puh! Glück gehabt – endlich mal eines nach meinem Geschmack, quasi eine Ergänzung, respektive Konkretisierung meines gestrigen, allgemeingültigen Postings (ob des Wissens, dass ich bei verschiedenenen Meinungen im sozialen Netzwerk „auseinandergenommen“ werde und  befürchten muss, Leser zu verlieren – wo sind wir eigentlich hingekommen?).

„Ich befürchte langsam, den Kopf überhaupt nicht mehr vom Tisch zu bekommen ….

Die Menschen demonstrieren weltweit gegen einen Präsidenten, der bisher noch gar nicht dazu kam, auch nur einen Fehler in seiner Position als Präsident zu machen …??? :/

… sie demonstrierten nicht beständig gegen die Fehler des vorherigen Präsidenten … gegen die vielen Morde an Zivilisten weltweit.. gegen die Einmischung in die Souveränität anderer Staaten … gegen die Unterstützung und Forcierung von Kriegen … gegen die Militärtechnik, die Richtung Osten geschickt wurde … nichts …!!!
.
Das alles machte ihnen keine Angst … aber ein Präsident, der sagt, dass er sich wieder mehr um Amerika -statt um die ganze Welt- kümmern will … der holt all diese Menschen auf die Straßen. Auf einmal finden sie Worte gefährlicher als Taten … und protestieren gegen eine selbst aufgestellte Hypothese!
.
Dabei tun sie auch noch so, als würde es ihnen am Allgemeinwohl der Menschen weltweit liegen! Angst frisst wirklich die Seele auf … und das gleich Millionenfach!
.
Man sollte Therapien in psychologische Anstalten nicht für einige Wenige anbieten, sondern aus der ganzen Welt eine Anstalt machen … in der man dann Orte schafft, an denen diejenigen, die noch halbwegs durchsehen … Urlaub vom Wahnsinn machen können und ihre Traumatas -die durch die Konfrontation mit dem alltäglichen Schwachsinn der Menschheit entstehen- therapiert werden können!

Evelin Piétza

Evelin Piétza - Facebook

Evelin Piétza – Facebook

Evelin Piètza beschäftigt sich seit November 2013 mit dem Ukraine-Konflikt. Auf Google kann man weitere Informationen über sie finden.

Noch einige Worte von mir:

Ich lasse mich von niemandem in eine politische Ecke treiben – in die rechte ohnehin nicht, doch auch nicht in die linke. Ich verstehe mich in menschlicher Mitte und ich werde zu allen Meinungsäußerungen stehen, die ich für mein Empfinden als vertretbar halte, die FÜR den Menschen, FÜR Gleichheit, FÜR Menschlichkeit, FÜR Frieden und FÜR soziale Gerechtigkeit stehen! Dabei ist es für mich sekundär, wer diese Statements verfasst: eine Sahra Wagenknecht, ein Gregor Gysi, ein Christoph Hörstel oder, oder, oder …

Grundsätzlich bleibt festzuhalten:

In der Demokratie wird der politsche Willen der Mehrheit umgesetzt, ganz gleich, ob Minderheiten sich in dieser Willensbildung ausgeschlossen fühlen oder ausgeschlossen sind. Wer jedoch Demokratie so versteht, dass nur eine Partei, und zwar ist es meist die eigene, den Anspruch auf Wahrheit und Gerechtigkeit erhebt, dann landen wir dort, wo solche gesellschaftlichen Systeme erfolgreich gescheitert sind: DDR, die sozialistische Welt nach dem Vorbild der Sowjetunion oder Kubas. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dem klügsten Argument zuzustimmen und nicht dem, der am lautesten brüllt oder andere als dumm und ungebildet hinstellt – solange sie den eigenen Vorstellungen oder der eigenen Gruppe/Partei nicht entsprechen.

Die viel gelobte Toleranz definiert sich in diesem gesellschaftlichen Kontext so:

Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat.

Ich verstehe mich als Humanistin und als eine solche schreibe und poste ich.  Als solche kann ich es auch nicht vertreten, wenn einzelne Menschen oder Menschengruppen diffamiert werden. Den Anspruch, dass dies jedem gefällt, möchte ich nicht haben. Ich kritisiere mit meinen Gedichten oder Texten, was mir beliebt und ich poste auch aus Quellen, wenn ich den Inhalt als angemessen betrachte. Das sollte Demokratie aushalten, nicht wahr?!

Euch allen wünsche ich ein schönes Wochenende. Passt gut auf Euch auf.

Wir sehen uns ausgeschlafen!

Eure Sylvia Kling

Künstler im Ruhe(zu)stand? Zeigt endlich Kante!

(Ent)Huldigung

Mancher Künstler
wirkt recht starr
in diesen
schleppend Zeiten,
wie treu und frei
ist ein Narr,
der spielt auf
rostgen Saiten?

Verloren scheinen
die verkreuzten Queren,
die Wahrheit noch
verkünden,
die Gefühltes klar
gebären,
beim Empfänger
Verstande zünden?

Da säuselt hier
im deutschen Lande,
als wärs ein
Paradiese
eine große
Künstlerbande
und huldigt gar
der Krise.

Copyright Sylvia Kling

Es ist nicht gestattet, Texte ohne Angabe des Urhebers und ohne Genehmigung desselben zu kopieren und weiterzuverwenden!

Wie meinte Udo Lindenberg, den ich seit meiner Jugend verehre:

„Zwar gebe es Musiker, die Haltung zeigten – wie etwa Herbert Grönemeyer, die Toten Hosen, Jan Delay oder Clueso. „Aber es gibt viele, die äußern sich prinzipiell gar nicht, die sagen, wir sind reine Entertainer, wir machen nur Unterhaltung nach dem Motto: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino, vergiss die Welt da draußen.“ Es wäre besser, so Lindenberg, wenn sich mehr Künstler politisch positionierten.“

Seit zwei Jahren stelle ich besorgt fest, dass es immer weniger Künstler gibt, die sich positionieren. Ist es die Angst um Einbuße bei den Honoraren, die Angst, Fans zu verlieren? Immerhin scheint ein nicht geringer Anteil der deutschen Bevölkerung fremdenfeindlich eingestellt zu sein. Woran liegt es, dass unsere Künstler immer leiser werden, wenn es darum geht, Kante zu zeigen?

Auch im Bereich der Kleinkunst – wir müssen nicht zwingend zu den Prominenten schauen – ist die Tendenz zum schweigenden Verharren besorgniserregend! Warum? Ihr seid diejenigen, die unter das Volk gehen! Hier ist es so wichtig, den Menschen zu zeigen: Es geht auch anders.

Ich kann Euch sagen: Es geht! Ich lese in und um Dresden – nicht gerade leicht, in Sachsen unter die Leute zu gehen und kritische Texte zu lesen, die teilweise den Leuten „paar auf die Fresse hauen“ (wie ein Gast in Klingenberg wortwörtlich zu mir sagte und er fand das gut!).

Angst, liebe Künstler, ist ein schlechter Ratgeber.  Die Angst vor der Wahrheit ist nicht so schlimm, als die Angst, die eintreten wird, wenn diese Wahrheit Formen annimmt!

Habt Mut und zeigt Gesicht. Wenn es zu spät ist, habt auch ihr genau das verloren!

Über ein Teilen und Rebloggen würde ich mich sehr freuen – in unserer aller Sinne.

Wir sehen uns ausgeschlafen.

Sylvia Kling

Auf Facebook schrieb der Künstler Axel Kliment-Feuerberg als Kommentar unter diesen Artikel:

„Die Kunst hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr entpolitisiert. Viele Künstler sind geradezu stolz darauf unpolitisch zu sein. Sie benutzen häufig sogar politische Symbolik und Bilder von Kriegsopfern bewusst nicht wertend als Versatzstücke ihrer Kunst. In der bildenden Kunst sind Künstler wie Neo Rauch oder Meese typisch dafür. Und wo die Kunst sich noch eindeutig politisch artikuliert, da kommt sie meist als Vehikel für Ideologien daher. Es ist höchste Zeit, dass sich Künstler wieder engangieren. Gegen Unrecht und für Menschenrechte. Für mich ist das eigentlich erst ihre Existensberechtigung. Aber leider sehe ich das wenige vorhandene Engagement zerbrechen an ideologischen Differenzen. Wie Wecker einmal gereimt hat: „Und mein Onkel lacht sich eins, denn das weiß auch er: Gegen diese Linke hat er es nicht schwer.“

Mein  Artikel ist auch hier zu finden:

http://wemeze.eu/enthuldigung/

Mauerprobleme

Meine dringende Leseempfehlung des Artikels des von mir hochgeschätzten Autors Arno von Rosen:

(Wie immer meine Bitte: Hinterlasst bei Gefallen dem Verfasser der jeweiligen Artikel ein Sternchen!  Vielen Dank!

Ihr wisst: Wir sehen uns ausgeschlafen! 😉

Arno von Rosen

Ich bin ein Wessi! Gut, vielleicht nicht der Vorzeigewessi, aber wer soll das eigentlich sein? Gegen das Establishment zu sein wurde mir bereits in die Wiege gelegt. Nicht weil meine Eltern zur 68er Bewegungsszene gehört haben (hätten sie aber gerne), denn als Eltern hat man andere Dinge zu tun, als sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Im Oktober 89 war ich Vater eines 10 Monate alten Sohnes und auch mir stand nicht der Sinn nach tiefgreifender Politik. Ich war zu jung, um irgendetwas über die DDR zu wissen, außer, dass ich „Der schwarze Kanal“ als kleines Kind für eine Satiresendung hielt, aber was weiß man schon als siebenjähriger Pimpf? Nix. Auch Kanzler Brandt, Kennedy und Berlin waren völlig an mir vorbeigegangen, so wie fast bei jedem meiner Generation, eben den geburtenstarken Jahrgängen.

Aber 1989 war ich 26, schon immer politisch interessiert, informiert, denoch zu oft naiv was den Wahrheitsgehalt von Aussagen…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.259 weitere Wörter