Alltag in Sachsen – einer, an den ich mich nie gewöhnen werde

Gestern  in Radeburg:

Gerade unterhielt ich mich noch mit einer Freundin über diverse, gesellschaftlich-politische Zustände in Sachsen.
Sie umarmte mich zum Abschied und sagte:
„Ärgere dich nicht so!“
Recht hatte sie. Beschwingt verließ ich ihren Laden und schlenderte wieder Richtung Markt.
Der Tag war einfach zu schön. Erste Frühlingsgefühle durften sich einstellen. Die freundliche Frau in der Post und ich machten wie stets unsere Scherze. Es war ein Tag zum Glücklichsein!

Ich stieg in mein Auto, ließ die Scheiben herunter. Ein tolles Gefühl!
Neben mir hielt ein Fiat. Ein junger Mann stieg aus und das Outfit sowie die „Frisur“ verrieten mir sogleich, in welchen „Strömungen“ er zu finden war. Auf dem Beifahrersitz saß eine blonde Frau. Doch ich überlegte noch, ob ich alles eingekauft und erledigt hatte. Immerhin wohne ich auf einem Dorf, in welchem es kein einziges Geschäft gibt.

Der Mann sah zu mir, beugte sich zu seiner Beifahrerin herunter und sagte deutlich vernehmbar, mit Blick in meine Richtung: „Jetzt fahren diese Ausländerschlampen schon unsere Autos.“
Mit aggressivem Blick begutachtete er mich. Die Freundin sah angewidert zu mir herüber und lachte abfällig.

Er ging um mein Auto herum, sah mein Kennzeichen, stellte sich dicht an dieses und spuckte lautstark und demonstrativ vor sich hin.

Dann lief er weiter und drehte sich immer wieder mit seinem aggressiven Gesichtsausdruck zu mir um.

Angst hatte ich keine. Außerdem sah ich, dass mein „Lieblingsdönermann“ am Markt schon aufmerksam zu mir sah.

Doch nachdenklich wurde ich, wieder einmal mehr.

Ich sah zu, das Auto anzulassen – übrigens ein Toyota – nix mit Deutsch und „unseres“.

In der Tat: Es war ein schöner Frühlingstag.
Da können schon von so manchem Nazi die Negativemotionen Purzelbäume schlagen!

Dieses Statement gab ich gestern auf Facebook ab (eingestellt „für Freunde“).  Ich erhielt dazu sehr viele Kommentare. Einige davon möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Vielleicht solltest Du den Beitrag einfach zur Info an die Zeitung mailen. Zur Kenntnisnahme. Und ruhig das Autokennzeichen dazu, wenn Du es hast. Ich hab zwei ähnliche Szenen kurz nach der Maueröffnung mit meiner Ex, erkennbar eine Syrerin, erlebt. Im Lokal sagte einer am Nachbartisch: Normal setz ich mich nicht neben sowas . . . Gut, dass ich so perplex war, dass ich gar nicht reagierte, wer weiß, was sonst passiert wäre. – Dein Schluss-Satz verrät, dass Du es versuchst, mit Humor zu nehmen. Das finde ich gut, ansonsten finde ich das Ganze einfach schlimm!
Dominik H.:
Die werden immer bekloppter und ungebildeter die Menschen. In Brandenburg und Berlin hab ich das noch nicht erlebt. Eine ähnliche Situation gab es doch in Dresden schon, im Fröbeleck.
Das ist eine gute Idee! Ich hatte mal in einschneidendes Erlebnis in jüngeren Jahren. Ich war im Sommer immer extrem braun. Wir waren in einer Gaststätte und ich wurde von erkennbaren Nazis beobachtet. Der Blick heute erinnerte mich an damals. Sie ließen mich nicht aus den Augen. Wir bekamen Angst und der Wirt ließ uns aus dem Hinterausgang raus. Ich tat so, als ob ich auf das WC müsste. Mein Mann folgte nach zwei Minuten. Der Inhaber der Kneipe – ein Freund von mir – flüsterte mir zu: „Bezahlung nächstes Mal!“. Als wir im Auto saßen, standen die Typen vor der Tür. Da fuhren wir schnell los. Schön war das nicht.
Angelika R. – Sachsen:
Eigentlich wollte ich nicht hierauf schreiben, aber auch das, ist nicht „Alltag in Sachsen“, wie eben auch nicht alle Sachsen Idioten, Nazis oder Rassisten sind. Dumme Menschen gibt es überall, auch ich habe das schon als Kind erfahren müssen. Auf einem Blog jetzt ganz Sachsen für einen Schwachmaten schlecht zu machen, finde ich ebenfalls nicht richtig, sorry.
Sorry, aber ich gehe mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und ich lebe in einer Gegend, in der es kaum noch Menschen gibt, die weltoffen und tolerant sind. Es reicht mir schon zu, wenn ich bei REWE oder im NETTO einkaufen gehe, mir reichen Gesprächsfetzen, mir reicht auch das Erlebnis aus dem letzten Sommer und das, was ich TÄGLICH (!!!) hier, bei Großenhain und Radeburg erlebe. Angelika, sind wir doch mal ehrlich: In Sachsen tummeln sich diese Leute – sieh Dir doch alles an, lies auf den Blogs, die sich intensiv TÄGLICH damit befassen /z.B. bei Markus Pappritz. Wir alle können „unsere Sachsen“ nicht mehr in Schutz nehmen. Und jene, die vielleicht nicht so drauf sind, die schweigen. Eine Frage: Warum passiert das solchen Menschen wie mir oder besser gesagt jenen, die nicht aus D kommen, ausgerechnet in Sachsen gehäuft immer wieder, besonders geballt in gewissen Gegenden? Warum tendenziell nicht so häufig anderswo? Nö, mir reicht es und das schon länger. Mir muss niemand mehr was erzählen. Vor einem Jahr habe ich bei WEMEZE noch die Sachsen in Schutz genommen, denn ja: Nicht alle sind so. Aber es sind zu wenige, die den Mund aufmachen – inkl. Künstler! Da wurde ich von Lesern bei Wemeze angegriffen. Heute mache ich das nicht mehr. Ich wüsste nicht, wie ich das erklären sollte. Mehr habe ich dazu nicht zu schreiben.
Doch – noch etwas: Es wird vielleicht ZEIT, dass es auf Blogs veröffentlicht wird. Denn es wird Zeit, dass diesen Schwachmaten mal die Ansage gemacht wird – und zwar von Menschen aus dem Volk und zuständigen Kommunalpolitikern!
Angelika R.:

Keine Verallgemeinerung hilft ein Problem zu lösen. Ich habe schon vor Jahren mit den rechten, verleitetet Jugendlichen gesprochen, nachdem vor mein Geschäft immer deren Sammelstelle zur Demo war. Die haben aufgehört meine Wände zu beschmieren und die Linken haben mir die Fenster eingeworfen, weil ich die Einsatzkräfte auf meinem Parkplatz und die WC benutzen hab lassen. Das Alles wurde von unseren „Kommunalpolitikern als Witz“ und „Kindergarten“ angesehen, 2008 wohl gemerkt…Es sind immer Menschen die etwas richtig oder falsch machen und im Moment läuft ganz viel falsch…Ich finde es nur noch schlimm, wie Menschen miteinander umgehen nur weil sie unterschiedliche Meinungen haben…Bitte nimm Dir das alles nicht so zu Herzen, Du brauchst Deine Gesundheit und Dein Leben für Dich!

Verallgemeinerung? Es IST doch schon Alltag.  Ich erinnere an meinen Artikel „Einwohnerversammlung in Kalkreuth“:
und an „Freunde – nicht fürs Leben“:
Zum ersten Artikel:  Von ungefähr 200 anwesenden Bewohnern war gerade mal EINE Frau dabei, die sich traute, sich anders zu äußern. Nur, weil 15 junge Flüchtlinge unter 18 Jahren (!) aufgenommen werden sollten. Deren Eltern sind verschollen. Sie sind auf sich alleine gestellt. Nein, diese Menschen hatten Angst, in Kalkreuth würde eine Moschee gebaut werden. Mit Legosteinen, oder wie? Von Empathie für diese Kinder keine Rede! „Ich, dann eine WEile nichts und dann wieder ICH!“ Sind die so beschränkt und weltfremd? Ich hatte schon Bedenken, es würden dort Stühle fliegen. Einer aus der „Heimatgruppe“ oder wie diese Leute heißen, rief rechtsorientierte Parolen aus und alle klatschten. Ich war fertig nach diesem Abend. Die Bürgermeisterin von Ebersbach meldete sich bei mir nicht, nachdem ich ihr mitteilte, diesen Artikel gern mit ihrer Genehmigung zu veröffentlichen bzw. an die Zeitung zu geben! Alles schön abdeckeln, nicht wahr? So läuft das hier, Angelika. Oder die Frau, die auf den „Dönerfritzen“ in Radeburg schimpfte. Abfällig: „Diese ekelhaften Kopftuchträgerinnen“. Im nächsten Moment erzählt sie, dass sie nach Ägypten in Urlaub fliegt und sie das DORT nicht stört …. Gehts noch? Wie dumm sind die denn? Nee, mit Verallgemeinerung hat das nichts mehr zu tun. Und wenn sich Schweigende angegriffen fühlen und sich herausgerissen fühlen aus ihrer heilen Welt: Bitteschön!

Angelika R.:

Sylvia, Alltag in Sachsen sind auch Übergriffe von Linken Autonomen, krimminellen Flüchtlingen und eben auch die der Rechten…für mich alles samt unerträglich. Ebenso wie die Tatsache, das die sächsische Landesregierung die Muslimbruderschaft Immobilien in Riesa, Meißen, Görlitz und Freiberg hat kaufen lassen, um Moscheen zu errichten. Das sind radikale Islamisten. Wenn wir das Eine anprangern, dann dürfen wir das Andere nicht todschweigen. Meine Meinung. Ich äußere mich jetzt nicht weiter, weil ich weiß dass Du eine andere Überzeugung hast. Hoffe aber Du kannst auch mit meiner Meinung leben…ich will einfach nur einen gerechten Umgang mit allen und das auch unterschiedliche Meinungen akzeptiert und respektiert werden…träumen darf man…und selber denken auch, weil die Gedanken frei sind…ich hoffe immer noch, jemand findet den Knopf zum Auschalten diesen ganzen Wahnsinns, der gerade abläuft…

Ja, man muss es von allen Seiten betrachten. Wenn man jedoch nicht bereit ist , sich zu bilden – außer mit der BILD – dann ist man selbstverständlich nicht bereit zu differenzieren und das EINE vom ANDEREN zu trennen, wie diese Idioten. Ich sage es nicht gern: Aber wir hatten auch schon grundsätzliche Probleme in unserem Land VOR der „Flüchtlingsproblematik“. Was ist denn da passiert? Wo waren sie denn da alle? Auf der Couch, selbstredend. Schweigend. Lief ja alles. Jetzt kriechen sie aus ihren Löchern. Mensch, wieder wollen sie „uns was wegnehmen“. Wofür waren wir denn 89 auf der Straße? Damit es uns allen besser geht, klar doch! Und nun? Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Altersarmut. Fremde. Letztere, die alles „hinten und vorn reingesteckt“ bekommen, nor? OHA, da haben wir endlich mal ein neues Feindbild. Früher war es Honecker. Oder Karl Eduard von Schnitzler.

Angelika R.:

 Ich kann nur von mir und meinem Umfeld sprechen….Wir waren 89 in Leipzig auf der Straße um für Meinungsfreiheit und Reisefreiheit zu kämpfen. Das Neue Forum war zum Anfang auch wegen diesen zwei Dingen auf der Straße. Als dann die politischen Einflüsse des Westens ihre Chancen witterten, hörten auch damals schon die Menschen nicht, was da auf sie zukommt. Gewollt haben wir, die wir die Anfänge taten, diese Entwicklung nicht! DAS Geld hat immer die Macht. Und DIE Mächtigen erreichen durch Lug und Betrug immer ihre Ziele, weil die breite Masse Mensch sich immer einlullen lässt. War schon immer so. Heute weiss ich auch nicht, wem ich noch trauen kann. Die Menschen werden nicht gefragt, man entscheidet über sie und nicht mit ihnen und genau das, birgt die Gefahr das Menschen sich von Schwätzern beeindrucken lassen….

Maren T.:

Das sind die Geschichten, die mich von einem Tagesausflug nach Dresden abhalten. Ich will das einfach nicht ertragen …..

Freunde von mir sind mit einer syrischen Familie nach Dresden gefahren, um Ihnen die Stadt zeigen. Sie hat Familie dort, kennt sich aus. Es wurde zum Spießrutenlauf in der Stadt und ihr Vater hat sie dann zum Bahnhof zurückgefahren, damit sie nicht nochmal mit dem Bus fahren mussten. Sie war geschockt und konnte es kaum ertragen ihre Heimat so zu erleben.
Kerstin K./Thüringen:
Das liegt aber nicht an Sachsen liebe Sylvia…du hattest einfach nur das Pech einen Dummkopf über den Weg (gefahren) zu sein…solche Dummen gibt es leider überall..

 

Sorry, ich habe eine andere Meinung darüber. Denn ich erlebe hier täglich Dinge (nicht mich persönlich betreffend), über die ich schon schweige. Ich fühle mich schon lange (!!!) nicht mehr wohl hier. Wir haben hier auch keine Freunde. Warum, muss ich nicht erklären!
Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass ich da, wo ich einen Großteil meines Lebens verbracht habe, bei Stuttgart, solch eine Situation möglich wäre. Und selbst hier, im tiefsten Bayern nicht. – Mag sein, dass ich da falsch liege, aber an ihrer Ausgewogenheit geht die Welt zugrunde, weil unsere Politiker so viel so lange weggeglättet haben. – Im Übrigen schreib ich herzlich gern Politives über Sachsen. Und ich hätte das auch veröffentlicht, wenn es im Saarland oder sonstwo stattgefunden hätte; dann wäre da gestanden: Alltag in Baden Württemberg.
Johannes Klinkmüller hat meinen Beitrag hier veröffentlicht:
(Im Übrigen ein überaus interessanter Blog!)

 

 (Eintragung in Facebook am gestrigen Tag):
Ich bin ab heute endgültig nicht mehr bereit, etwas schönzureden – aus Liebe zu meiner Heimat. Ich habe meine Vorstellungen von Leben und Menschlichkeit und als Humanistin stehe ich dazu. Ich stehe dazu, dass ich dem Menschen zutraue (es ihm auch zuzutrauen ist!), sich selbst und gegenseitig zu helfen.  Ich stehe dazu, dass ich eine Haltung habe, die von der Achtung der Würde des Menschen geprägt ist. (=Def. Humanismus)

 

 Es beinhaltet: Freiheit, Toleranz, Respekt vor anderen Menschen …
 Damit schließe ich diesen Beitrag.
Wir sehen uns ausgeschlafen!
Sylvia Kling