Dresden – immer und immer wieder …

Ja, in meiner Heimat ist ganz schön was los. Da wird kontrovers über die senkrecht aufgestellten Busse diskutiert, Oberbürgermeister, Dirk Hilbert, beschimpft und auch bedroht, der Minister, Martin Dulig, welcher schon den Dialog mit den besorgten Bürgern Dresdens sucht, nicht ausreden gelassen und vor dem 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens, werden wieder Naziaufmärsche erwartet.

Genau gesagt wird das an diesem Wochenende sein. Der fränkische Holocaust-Leugner Gerhard Ittner und die übliche Demo der lokalen Neonazi-Szene wird auflaufen.

„…  Der Franke ist wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocaust einschlägig vorbestraft. Schon 2016 wollte er in Dresden aufmarschieren, saß dann aber am 13. Februar im Gefängnis. Dieses Jahr will er vom Zwinger aus über die Marienbrücke in die Neustadt ziehen, um über Palaisplatz, Albertplatz und Hoyerswerdaer Straße wieder zurück auf die Altstädter Seite zu laufen.“

(Quelle: http://www.dnn.de/Specials/Themenspecials/13.-Februar/Dresden-drohen-am-Samstag-gleich-zwei-Nazidemos)

„Ganz dicht am Volkes Atem…ich würde immer noch gern kotzen.

Wir standen da…fassungslos…einige mit Tränen in den Augen…im Rücken: das Volk…mit Fäusten in der Luft und Schaum vor dem Mund…zwischen den Zähnen Trillerpfeifen…den Oberbürgermeister als Heuchler niederbrüllend, den Pfarrer der Frauenkirche mit „Hau ab“ übertönend…das Christliche Abendland, deutsche Werte mit Hass und Niedertracht verteidigend…Schande, Schande…Manaf…Zurück nach Syrien! So viele. So laut.

Vorne: drei Busse

So what?!

Etwas so Bodentiefes, Anstandsloses, Trauriges und Dummes ist mir selten so nah gekommen. Von angestautem Frust kann keine Rede mehr sein. Nach 100 sinnlosen Runden um den Block glaubt das niemand mehr.

Nicht mein Volk.
Zombies…

Danke  Manaf Halbouni…sehr gut reagiert…vermutlich hast Du mehr erreicht, als man es sich hat denken können…danke Dirk Hilbert und allen anderen…wirklich wichtig, immer wieder Haltung zu zeigen…aber wie das hier weiter gehen soll…keine Ahnung…wo sind die Bürger dieser Stadt?! Muss man das wirklich aushalten?

schockiert…M.“

(Quelle: Markus Papperitz/Dresden/Jurist)

„Gegen Pegida und Co“ schreibt auf Facebook am 23.01.2017:

+++ Die Versammlungsbehörde tut es wieder +++

Die Verwaltung der Landeshauptstadt will es nicht lernen

Wieder einmal mobilisieren mehrere Gruppen zum Gegenprotest gegen Pegida. Angesichts der jüngsten Verbalentgleisungen von Björn Höcke, ausgerechnet in Dresden, ist dieses Mal damit zu rechnen, dass mehr Menschen kommen, um gegen die rechtsgerichtete Bewegung zu demonstrieren, als in den vergangenen Monaten, in denen sich der Protest gegen Pegida in Grenzen hielt.

Und auch die Versammlungsbehörde tut das, was sie in der Vergangenheit immer wieder getan hat: mit abstrusen und zum Zeil an den Haaren herbeigezogenen Auflagen versucht sie den Gegenprotest so weit außer Hör- und Sichtweite von Pegida zu bringen, dass dieser eigentlich völlig sinnlos scheint. Damit verstösst die Versammlungsbehörde nicht nur einmal mehr gegen das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit in Hör- und Sichtweite, sondern sie demonstriert einmal mehr ihre emotionale Nähe zu Pegida.

Die großspurigen Ankündigungen des Oberbürgermeisters Hilbert nach dem Eklat am 03. Oktober, sich intensiver um einen fairen Umgang der Versammlungsbehörde mit Gegendemonstrationen zu bemühen, sind, wie wir schon erwartet haben, nichts als heiße Luft gewesen. Schließlich darf man ja nicht außer Acht lassen, dass Hilbert mit den Stimmen der Pegida-Bewegung zum Oberbürgermeister gewählt wurde.

Es ist traurig und zugleich beschämend, dass eine schöne Stadt wie Dresden von rechten Gruppierungen und offen rassistischen und menschenfeindlichen Leuten in eine rechte Ecke gedrängt wird und dass es die Mehrheit der Bevölkerung einfach nicht schafft sich laut und deutlich diesen Gruppen in den Weg zu stellen und ihnen Grenzen aufzuzeigen.

Mag die Stadt auch noch nicht verloren sein, der Oberbürgermeister und die Versammlungsbehörde sind es offenbar.“

Auf „Wemeze“ lese ich immer wieder Kritiken in den Kommentarleisten von Menschen außerhalb Sachsens:

Da fragt man sich warum Dresden das zulässt? 1. Holocaustgegner gehören nicht auf eine Demo, sondern in den Knast.
2. Hätte sich bestimmt ein Grund gefunden nein zu sagen: zufällig ist da schon was anderes angemeldet. Etc. Sind die tatsächlich so blauäugig zu denken, damit täten sie Dresden einen Gefallen?
Liebe Bürger von Dresden: wehrt euch!

 

 
Wer schweigt, stimmt zu. Ich hoffe, dass Dresden sich bald mal gegen diese Horden stellt!“

 

Liebe Dresdner, kriegt Euren Allerwertesten mal hoch und stellt Euch gegen die rechte Brut!

 

Kann denn nicht endlich mal Schluß sein? Warum wird denn diese schöne Stadt so benutzt? Bzw lässt sich benutzen?

Es ist schwer, sich gegen Rechts zu stellen. Niemand sagt, es wäre ein Vergnügen. Es kann – infolge der Tatsache, dass sich Versammlungsbehörde, Polizei und Justiz auf rechtem Auge blind zeigen – in Dresden durchaus demotivierend sein. Doch wann war es in der Geschichte jemals leicht, sich für Menschlichkeit einzusetzen?

Wo sind die guten, alten WiderstandskämpferInnen?

Wie seht Ihr das? Mich macht es unendlich traurig. Die Entwicklungen sind beängstigend und alarmierend!

dresden

Wir sehen uns ausgeschlafen.

Eure Sylvia Kling

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15 Gedanken zu “Dresden – immer und immer wieder …

  1. „Damit verstösst die Versammlungsbehörde nicht nur einmal mehr gegen das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit in Hör- und Sichtweite, sondern sie demonstriert einmal mehr ihre emotionale Nähe zu Pegida.“ – Es gab doch gerade einen Urteilsspruch, warum die NPD nicht verboten werden kann – weil sie keine Gefahr für die Demokratie ist.
    Die Gefahr scheint aus einer Ecke zu kommen, wo man sie eigentlich nicht vermuten sollte. Es ist nicht zu verstehen.

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      • Das Wunder müssen wir selbst vollbringen – wir dürfen nicht aufgeben. Ich sehe das Problem in der Uneinigkeit der Menschen. Gut zu beobachten ist es im „sozialen“ Netzwerk Facebook. „Eigentlich“ wollen sie – die Linken und die Mittigen – das Gleiche: Frieden und soziale Gerechtigkeit.
        Doch sie bekriegen sich …, einer ist für Wagenknecht, einer dagegen, einer für Gysi und einer nicht. Da bleibt bei so mancher Diskussion nicht nur der gute Anstand auf der Strecke, sondern auch wird das Fundament zerstört.
        Ein weiteres Problem ist eine latente Bequemlichkeit und Politikverdrossenheit – letzteres durch Nachrichtenüberflutung.
        Kaum einer ist sich dessen bewust, wieviel Verantwortung er trägt ….
        Auf ein Wunder brauchen wir nicht hoffen, nein.

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      • Volker Pispers hat das mit der Politikverdrossenheit mal gut aufgegriffen: Die Leute sind nicht Politikverdrossen, sondern Politikerverdrossen. Wen willst du noch wählen, wenn es sowieso nichts ändert oder immer derselbe Mist ist 😉
        Die Menschen fühlen sich teilweise hilflos (weil sie das Gefühl haben, nichts ändern zu können) oder fürchten um ihren Lebensstandard/-grundlage. Leider treffen gerade die „Verängstigten“ dann gern mal eine Wahl, die genau das verursacht, was sie eigentlich nicht wollten…

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      • Dem stimme ich teilweise zu. Allerdings: Ich denke, es ist alles etwas umfangreicher. In Sachsen gerade kann man viel beobachten.
        Hier ist man nicht politikerverdrossen. Hier ist man einfarbig und ängstlich, DDR-geschädigt (Angst, etwas könnte wieder weggenommen werden – „Wozu ist man 1989 auf die Straße gegangen?“) und auf den Dörfern immer noch etwas hinterher. Als sei die Zeit stehengeblieben. Ich beobachte sehr genau und begebe mich des Öfteren hier auf das „Glatteis“.

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