Pegida – Busen, Bier und Islamismus

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http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/15/pegida-kathrin-oertel-lutz-bachmann

Auszug:

„Die Facebook-Seiten von Bachmann und seinen Freunden taugen für ein Sittengemälde des deutschen Prolls. Man sieht Bachmann dort auf Partys, mit glasigem Blick, auf den Kopf hat er sich einen Pümpel gesetzt, eine Saugglocke, mit der man eigentlich verstopfte Klos wieder freibekommt. Man kann nachlesen, dass die Bachmanns sich bei der Facebook-Aktion „Deutschlands schönste Paare“ bewarben und dass sie ihre Wohnung die „Königliche Residenz Derer Von Und Zu Bachmann“ nannten. Auch ihre Hochzeit präsentierten Vicky und Lutz komplett im Internet: ein Fest mit Pomp und Pumps. Weißes Kleid, weiße Blumen, weißer Schirm, weiße Krawatte, weißes Hemd. Viele von denen, die später zu Pegida-Anführern wurden, waren nicht nur bei Hochzeit oder Polterabend anwesend, sondern kommentierten auch fleißig mit, wenn die Bachmanns aus ihrem Leben berichteten. Das taten sie, über Jahre, für alle einsehbar. Wer sich heute noch einmal durch ihre Profile klickt, der stellt fest: Pegida, ein Phänomen, das die Republik über Monate in seinem Bann hielt, hat seine Wurzeln im Allerbanalsten.

Siegfried Däbritz, ein Waffennarr aus Meißen, setzte sich mit Lutz Bachmann zusammen Pümpel auf den Kopf – Ewigkeiten vor Pegida.

Achim Exner, früher Sicherheitschef von Dynamo Dresden, lobte Vicky Bachmann, wenn sie Selfies mit Schmollmund und schwarz lackierten Nägeln postete.

Tom Balazs aus Dresden ließ sich mit Bachmann und Frauen auf Partys fotografieren – als nicht daran zu denken war, dass der mal einer der Erfinder von Pegida werden könnte.

René Jahn, Hausmeister, erklärte, Monate ehe er Pegida-Vizechef wurde, unter einem Foto von Lutz Bachmann und seiner Liebsten: „Ihr seht geilo aus.“

Und Frank Ingo Friedemann, Pegida-Planer der ersten Stunde, diskutierte mit Vicky Bachmann, ob man einen Pümpel auch als „Büstenheber“ verwenden könnte.

Von dem Dutzend Pegida-Organisatoren gehörten die meisten schon ewig zu den Bekannten oder Freunden von Bachmann. Sie diskutierten mit, wenn Bachmann auf Facebook erklärte, eine „gefährliche Männergrippe“ fessle ihn ans Bett. Oder wenn er das Dekolleté seiner Ehefrau fotografierte und fragte, ob es symmetrisch sei. Die Bachmanns und ihre Freunde auf Facebook, das waren Zeigefreude und Geltungsdrang. Immer wieder schrieben sie über ihre Liebe zum Reality-TV, und für den Betrachter sieht es aus, als hätten sie die Sendungen einfach nachgespielt. Für ihre Freunde gaben Lutz und Vicky Bachmann so etwas wie die ostdeutschen Geissens, ein Glamour-Couple, Tarzan und Jane aus 01723 Kesselsdorf bei Dresden. Und die Freunde feuerten sie dabei an.

Aber es waren Zufälle, die dazu führten, dass diese Clique, die sich für Busen und Bier interessierte, politisch aktiv wurde. Und auch dabei spielte Facebook eine Rolle.“

Ein weiterer Auszug:

„In Kesselsdorf, einem Vorort von Dresden, wohnen die Bachmanns in einem der vielen Neunziger-Jahre-Mehrfamilienhäuser, hellblau gestrichen. Vor dem Haus steht Bachmanns Würstchenanhänger, bedruckt mit „Das Original – Sächsische Rostbratwurst“, und dem Preis: 2,50 Euro, inklusive Brötchen. Bachmanns Vater ist Fleischermeister. Die Bratwurst, hergestellt nach Familienrezept, fertigen die Bachmanns bis heute. Lutz Bachmann soll vor Kurzem noch selbst mit dem Würstchenwagen die frisch Gegrillten unters Volk gebracht haben. Vielleicht tut er es auch heute noch, er verrät es nicht.

Nach dem Abi hatte Lutz Bachmann Koch gelernt, dann Anfang der neunziger Jahre eine Werbeagentur gegründet. Aber er geriet rasch auf die schiefe Bahn: Mit Anfang 20 begann er eine Serie von Einbrüchen, Körperverletzungen, Diebstählen. Schon damals schaffte er es in die Bild-Zeitung: als „Panzerknacker aus Dresden“. 1998 wurde er zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er setzte sich nach Südafrika ab. Erst als ihm dort die Abschiebung drohte, habe er sich gestellt, gibt Bachmann zu . 2001 kam er ins Gefängnis, nach 14 Monaten war er auf Bewährung frei. 2009 wurde er mit Drogen erwischt, Kokain, er erhielt eine Bewährungsstrafe. Und weil er den Unterhalt für seinen Sohn aus einer früheren Beziehung schuldig geblieben sein soll, muss er sich bis heute mit der Justiz auseinandersetzen. Der Sohn immerhin scheint keinen Groll zu hegen, bei mindestens einer Pegida-Demo war er als Ordner aktiv. Auch Bachmanns Vater sah man schon in der ersten Reihe, er hielt das große Pegida-Banner bei der Kundgebung. Vicky mischt ja ohnehin mit. Pegida ist auch ein Familienbetrieb.“

(…)

„Auch für Dresdens Rotlicht-König arbeitete Bachmann: Wolfgang „Wolle“ Förster. Förster betreibt Dresdens bekanntestes Striplokal Klax, außerdem wie Bachmann eine PR-Firma. Eine Zeit lang müssen Bachmann und Förster Geschäftspartner gewesen sein, noch bis vor wenigen Wochen lief die Website von Bachmanns Agentur auf Försters Namen – was der sich, sagt er, nicht erklären könne: „Wir gehen seit fünf Jahren getrennte Wege.“

Ich habe mit dem Kopf geschüttelt, gelacht, mich fremdgeschämt. Durchaus kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Geschichte des Herrn Lutz Bachmann und dessen Gefolgsleuten signifikant für deren Rhetorik ist.  Eine gewisse Unbildung, gepaart mit kruder Skandierung – das kommt uns doch bekannt vor, oder?

Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt herzlich lachen!

Wir sehen uns ausgeschlafen.

Eure Sylvia Kling

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7 Gedanken zu “Pegida – Busen, Bier und Islamismus

  1. Narzißten, obendrein psychopathisch angehaucht, können durchaus in ihrer Geltungssucht und dem Hang zur perfiden Selbstbeweihräucherung viele Menschen in den Bann ziehen, die sich eben nicht trauen, dermaßen unerschrocken in der Öffentlichkeit sich zu präsentieren, wie die oben Beschriebenen. Nur ein scharfer Geist mit gesundem Humor kann solchen „Pappnasen“ etwas entgegensetzen, was jene nie erreichen: echte Nächstenliebe ohne Wenn und Aber. Danke Dir für Dein Engagement, liebe Sylvia.

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  2. Meine Vermutung ist, dass da auch ein gehöriges Maß an Größenwahn bzw. Selbstüberschätzung dabei ist – etwas darstellen zu wollen, was man nicht ist, Aufmerksamkeit zu bekommen um jeden Preis.
    Eigentlich müsste man Mitleid empfinden mit Leuten, die irgendetwas in ihrem Leben so derartig vermisst haben, dass sie dies nun nötig haben – wenn es nur nicht solche gefährlichen Wellen schlagen würde.
    Ich bin zugleich traurig, angewidert und entsetzt.

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  3. Interessanter Artikel, der die Ursprünge und Hintergründe dieser Entwicklung aufdeckt und in ihrer ganzen Peinlichkeit zeigt. Die Bratwurst – Connection und was daraus entstand. Menschen lassen sich einfach verleiten. Und der DDR-Ostalgie-Hintergrund von Frau Oertel wundert mich nicht wirklich. Scheint das Trauma eines Teils dieser Generation zu sein..
    LG, Eberhard

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  4. Bachmanns „Peinliche Europäer gegen Intelligente des Abendlandes“ kennen sich also schon seit vielen Jahren und lieferten auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken Beiträge aus der Reality-Show „Die Geissens für geistig Arme“. Und als ihnen das nicht mehr reichte, ging es auf die Bühne um jeden Montag, wie schon lange vor ihnen „Der Schwarze Kanal“ es tat, die Menschen zu belügen und sie zu manipulieren.
    Wenn ich es richtig gesehen habe, gehen jetzt immer weniger Menschen zu Bachmanns & Festerlings Hetzabenden. Und auch die schöne Stadt Dresden wird sich davon erholen. Irgendwann wird man von Pegida und ihren Organisatoren nur noch sprechen, wenn es darum geht, die Narben der Furunkel am Ar… der Demokratie erklären zu müssen.

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