„Handarbeit“ und Gedenktag an die Opfer des Holocaust

 

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb/

Sein Blog: http://dschungelpinguin.com/

Gestern wurde in Israel an die Opfer des Holocaust gedacht – 6 Millionen Juden.

Heute werden um 10 Uhr im ganzen Land zum Gedenken an die Opfer die Sirenen für zwei Minuten heulen. Das alltägliche Leben wird in diesen Minuten zum Stillstand kommen.

Niemals dürfen die Verbrechen vergessen werden, die im Namen unseres Volkes geschehen sind. Und nie, nie wieder dürfen wir sie zulassen!

Ich wünsche allen Lesern und Besuchern einen angenehmen Feiertag.

Wir sehen uns ausgeschlafen!

Sylvia Kling

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Albern ist das – Ein Gastbeitrag von Sonja Manderbach

Albern ist das

Mit einem Teelicht die Welt retten wollen?
Mit Kerzen und Liedern, Musik und Geschichten?
Albern ist das.
Kindisch, naiv, traumtänzerisch.
Gutmenschen. Trottel.

Man rettet die Welt nicht mit der Stimmgabel.
Nicht mit dem Taktstock, der Singstimme,
Nicht mit Lichtern, Geschichten, Kerzen und Niedlichkeit.
Albern ist das.
Mit einem Teelicht gegen die unendliche Dunkelheit im ganzen Universum?

Mit Lichterketten gegen Fremdenhass?
Was ist Fremdenhass?
Sind Fremde die besseren Menschen und die, die sie hassen, dumm?
Albern ist das!
Die Fremden, die Juden, die Muslime, die Flüchtlinge
– oder wer auch immer gerade im Blickfeld ist –
sind nicht die besseren Menschen,
und deshalb haben die Gutmenschen sie so lieb,
und die Schlechtmenschen hassen sie,
weil sie besser als sie sind.
Nein.
Besser sind die Fremden nicht.
Auch nicht schlechter.
Da sind sie.
Menschen sind sie.
Anders sind sie.
Anders als wir.
Genauso wie ich.

Montags.
Wir sind das Volk.
Wir wollen Freiheit.
Keine Diktatur.
Keine faschistische, keine kommunistische, keine religionsfanatische.
Keine Diktatur.
Keine Minenstreifen, keine Grenzsoldaten,
Keine Gleichschaltung, kein Denkverbot.
Keine Diktatur.
Freiheit.
Wir sind das Volk.

Montags.
Wir sind das Volk.
Warum brüllen sie denn so?
Hat ihnen irgendjemand was weggenommen?
Nur weil es andere gibt, die auch was brauchen?
Nicht von ihnen, aber genauso wie sie.
Wen hassen sie denn eigentlich?
Wer schadet ihnen denn?
Die, die auch den anderen schaden.
Die, vor denen die anderen fliehen?
Nicht genau dieselben.
Aber doch irgendwie derselbe Menschenschlag?
Die, die Macht haben wollen, unermesslichen Reichtum,
Ausbeutung, Terror, Gewalt und Krieg.
Wir sind das Volk – wir dieses und die jenes Volk.

Montags.
Einige zünden jetzt Lichter an.
Montags – gegen den Hass, für den Frieden.
Montags – gegen Gewalt, für Mitgefühl.
Für Mitweltlichkeit, Mitmenschlichkeit …
Montags abends ein Teelicht oder ’ne Kerze?
Ansonsten der immer gleiche Alltagstrott.
Nichts ändert sich.
Sie kaufen unfair gehandelte Waren,
in Plastik verpackt,
unökologisch produziert.
Sie finanzieren das System und produzieren Waffen.
Jeder macht irgendwie mit.
Albern ist das!

Was kann einer alleine schon ändern?
Fragt sich jeder und jede – fragen sich alle.
Jeder und jede für sich. Allein. Alle.
Mancher zündet ein Teelicht an.
Aus lauter Verzweiflung.
Ein Licht gegen Hilflosigkeit.
Albern ist das?
Und dann sind da all die anderen.
Mit all den Lichtern.

Macht ist das nicht.
Keiner weiß, wie das alles ausgehen wird.
Ist das Opium? Volksberuhigung?
Sie zünden Lichter an, singen Lieder, erzählen Geschichten, schreiben Texte, Satire, Theaterstücke, Gedichte …
(Manche schauen stattdessen das Fernsehprogramm
und glauben daran.)

Aber die mit den Lichtern, was glauben die?
An das Gute? An das Leben? An die Liebe?
An Stärke statt Machtgier?
An Miteinander statt gegeneinander?
An Nebeneinander – gemeinsam unterschiedlich
– statt einander gegenüber, uneins,
aber im Dagegensein gleichgeschaltet?
Albern ist das?

Vielleicht muss nicht alles immer das Gegenteil von albern sein.
Vielleicht ist es egal, was man tut, weil sich eh‘ nie was ändert.
Aber, wenn es eh‘ egal ist, was man tut,
dann ist es egal, dass man es tut.
Dann kann man das machen oder auch nicht.
Grad wie man mag.
Albern sein, tut manchmal einfach gut.

Vielleicht geht es nicht immer um den Effekt.
Teelichter zwingen Kriegstreiber nicht in die Knie.
Vielleicht macht man das nicht für irgendein „Umzu“.
Um zu ändern, um zu zeigen, um zu bewirken …
Vielleicht macht man das einfach nur so.
Montags abends grüßen sich Menschen gegenseitig mit Lichtern und sagen:
Ich sehe dich. Und hier bin ich.
Mehr nicht.
Nicht nichts.

Albern ist das!
Und das ist gut.
Noch nie waren die, die Krieg wollten, albern, kindisch, verträumt und niedlich.
Nein, die sind ernst, vernünftig, klug, rational und realistisch.
Die sehen die Welt, wie sie ist.

Wir sind das Volk.
Wir sehen, was sein könnte – und das, was immer AUCH ist. Aber nie nur.
Meistens leise und klein, unscheinbar und niedlich – irgendwie albern, ganz sicher nicht gigantisch.
Wenn Gigantomanie die Krankheit ist, die zerstört: Lebensräume, Menschenleben, Frieden und Träume – was ist dann sinnvoll an riesig bedeutsamen Handlungen?

Was sagen wir unseren Kindern, wenn sie fragen?
Sind die Fremden böse oder gut?
Oder sind die böse, die sie hassen, die wütenden Bürger?
Sind die gut?
Wer sind wir? Sind wir gut?
Sind wir denn überhaupt ein „Wir“?
Mit wem haben wir denn Gemeinsamkeiten?
Mit allen?
Mit den Fremden?
Mit den wütenden Bürgern?
Mit den anderen?
Mit allen?
Und worin bestehen die Unterschiede?

Ach so.
Teelichtgespräche mit Kindern in Häusern,
in denen Fragen gestellt und Gespräche geführt werden,
Geschichten gehört und Gedanken gedacht,
Gedichte geschrieben, Lieder gesungen und Bilder gemalt werden.
Und Teelichter angezündet.

Wenn es egal ist, weil es sinnlos ist und nichts bringt, dann ist es egal, dass man es tut.
Wenn es egal ist, dann muss es nicht kritisiert und in Frage gestellt werden.
Vielleicht ist es nicht egal, sondern albern.
Nicht egal (gleich / gleichgültig), sondern anders.
Nicht egal (unsinnig / unscheinbar), sondern sichtbar und – anscheinend – etwas auslösend.
In den Häusern, in den Familien.
Vielleicht ist es einfach.
Was es ist.

Hintergrundinfos „zur Person“:

Sonja Manderbach (Jahrgang 1977)

Sonja Manderbach

Sonja Manderbach

Berufliches Wirken und Ausbildungen:

„Vielfalt macht viel Freude!“
Musik-Erlebnis-Projekt
zur Inklusion psychisch erkrankter Menschen
in die Gemeinschaft ALLER Menschen
gegründet von Sonja Manderbach (2011)
Trägerin des Projekts (seit 2013):
evang.-luth. Kirchengemeinde Osternburg
(in Oldenburg (Oldb))

MOSAIK – Zentrum für inklusive Beratungs- & Bildungsarbeit
Philosophische Praxis – Musikschule – Seminarhaus
Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien, Paare, Teams

Sonja Andrea Manderbach M.A.

Philosophin & Kulturwissenschaftlerin M.A.

Studium an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 1997 bis 2005

Studienschwerpunkte:
Ethik (Praktische Philosophie, Politische Philosophie, Sozialphilosophie), Wissenschaftsphilosophie, Erkenntnistheorie,
Kulturanthropologie,
Musik (Weltmusik/ Klezmer/Musik-Erlebnis-Pädagogik)

Freiberuflerin (Beginn noch als Studentin) seit dem Jahr 2000;
Zuvor ehrenamtliche Mitarbeit als Gruppenleiterin bei der evangelisch-lutherischen Kirche seit 1991und bei Naturschutzverbänden (z.B. Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer)

Kirchenmusikerin
(C-Ausbildung – C-Prüfung: 2012),
Musikerlebnispädagogin & Musiklehrerin (Klavier, Keyboard, Blockflöten, Gitarre, Gesang & Stimmbildung)

Kommunikationstrainerin & Konfliktschlichterin (Mediatorin – Ausbildung 2000 bis 2002)

Kinesiologin & Entspannungspädagogin (verschiedene Methoden
(Ausbildung seit 1996 – laufend Fortbildungen)
(Lernberatung, Krisen- & Prozessbegleitung, Stressreduktion)


Bei gewünschten Rückfragen oder Kontaktinteresse zu Sonja bitte ich darum, mich per Mail zu informieren oder Sonja auf Facebook zu kontaktieren.