Die Dresdner MUTbürger

 Die Dresdner MUTbürger

Eine Frage an meine Leser:

Was wißt Ihr von Sachsen, explizit Dresden? Stimmt, da ist PEGIDA und da ist diese neue „Formation“, angeführt von Frau Festerling.

Viel mehr werdet Ihr aus der Presse nicht erfahren! Warum nicht? Es ist so gewollt. Doch ich möchte Euch heute über Dinge aufklären, die Ihr nicht aus Zeitung und Fernsehen erfahren werdet.

Wer sich nicht auf Facebook aufhält, dennoch gern an Versammlungen teilnehmen oder mehr erfahren möchte, teile mir dies bitte per Mail oder in der Kommentarleiste mit.

Ich möchte heute einfach den MUTBürgern Dresdens ein großes Dankeschön für ihr Engagement aussprechen.

So ergeht es den MUTbürgern schon lange – es wird seitens der Behörden alles unternommen, um Proteste gegen Pegida und Co zu unterbinden! Doch es wird endlich Zeit, dass unsere MUTbürger wahrgenommen und gehört werden. Es wird Zeit, dass die Leute von IHNEN erfahren, nicht nur von PEGIDA und den Nazis. Sie kämpfen und das vehement!

Euch möchte ich bitten, diese Informationen weiterzugeben, damit dieses, teils undifferenzierte, pauschalisierende Gehetze gegen Sachsen ein Ende hat!

Wir sehen uns ausgeschlafen!

So beginne ich mit Teil I:

Kaltland-Reisen - Facebook

Kaltland-Reisen – Facebook

„Am Samstagnachmittag erreichte uns nach mehrtägiger – oft einseitiger – Kommunikation mit der Dresdner Versammlungsbehörde endlich der Bescheid für unsere Kundgebung am Montagnachmittag.

Kurz:
Darin festgehalten ist das faktische Verbot unserer Versammlung.
Treffpunkt bleibt die uns zugewiesene Fläche vor dem Blockhaus!

Hard Facts:
Angemeldet hatten wir den neustadtseitigen Kopf der Augustusbrücke, bekommen haben wir das Elbufer. Die Nähe zur neofaschistischen „Festung Europa“-Kundgebung auf dem Neustädter Markt, die der Protest in Hör- und Sichtweite erfordert, ist damit nicht mehr gegeben.

Härtester „Fun“ Fact:
Die Versammlungsbehörde meint wohl, uns ein Zugeständnis zu machen, indem erlaubt wird, dass eine „Abordnung“ von „maximal 10 Personen“ stellvertretend für alle, die PEGIDA und anderen Neurechten Bündnissen mit Protest begegnen möchten, vom Elbufer nach oben gehen und in Sichtweite – also durch eine fünfspurige Straße und Straßenbahnschienen von PEGIDA getrennt – Protest ausüben darf. Wohlgemerkt, nur in Sichtweite, denn das bloße Mitführen „geräuscherzeugender Utensilien“ ist untersagt.

Juristische Einschätzung:
Faktisch kommt diese Auflage einem Verbot gleich, da das eigentliche kommunikative Anliegen nicht mehr transportiert werden kann. Es wird ein Talkessel der Menschen am Elbufer geschaffen, während die „Abordnung“ zwar angemessene räumliche Nähe genießt, durch das Verbot „geräuscherzeugender Utensilien“ jedoch keine öffentliche Wahrnehmbarkeit erlangen kann. Bemerkenswert ist, dass auf Seite der „Festung Europa“ keine derartigen Einschränkungen vorliegen.

Treffen zwei Grundrechtsträger aufeinander, so sind die Grundrechte beider derart in Ausgleich zu bringen, dass beide ihre größtmögliche Wirkung entfalten. An dieser Stelle hätten sowohl die „Festung Europa“ als auch unsere angemeldete Kundgebung „Brücken bauen“ das Recht, sich am gewählten Ort zu versammeln und ihr Anliegen dort öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren. Es liegt ein Ermessensausfall vor, da die Behörde der „Festung Europa“ dieses Recht vollständig einräumt, einem rechtlich gebotenen Gegenprotest jedoch in keiner Weise.

Hinzu kommt, dass mit dem Samstagnachmittag, an dem der Bescheid verschickt wurde, und an den sich nun zwei Feiertage anschließen, durch die Behörde wissentlich ein Zeitpunkt gewählt wurde, zu dem das zuständige Gericht – das Verwaltungsgericht Dresden – für uns nicht mehr zu erreichen ist. Die Rechtsweggarantie des Grundgesetzes aus Art. 19 Abs. 4 GG wurde damit ebenso verletzt wie das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nach Art. 8 GG.

Unser Fazit:
Dresden verletzt damit wiederholt die Grundrechte von Bürger_innen, die im Sinne von Art. 3 I GG für die Gleichheit aller Menschen und auch der Erklärung der Menschenrechte für das Recht auf Asyl demonstrieren. Die Behörden der Stadt Dresden arbeiten mit Rassist_innen und Verfassungsfeind_innen zusammen.

Daher sollten alle Menschen an diesem Tag selber Demonstrationen als Spontanversammlung nach § 14 Abs. 3 und 4 sächsVersG anmelden und damit selbstbewußt ein Zeichen gegen die PEGIDA-treue Behördenwillkür der Stadt Dresden deutlich machen.

Wir jedenfalls werden uns nicht einschüchtern lassen und am Montag unser Bestes geben, Protestmöglichkeiten für diejenigen zu schaffen, die den Protest gegen sowohl neofaschistische Ideologie als auch gegen das Schweigen ihr gegenüber mit aller Deutlichkeit auf die Straße tragen wollen. Erster Treffpunkt ist und bleibt die uns zugewiesene Fläche vor dem Blockhaus. Um 14:00 Uhr geht’s los.

Gepida Dresden Nazifrei Dresden Pegidafrei Herz statt Hetze Dresden für Alle

‪#‎DD1605‬ ‪#‎NOPEGIDA‬ ‪#‎FORTRESSEUROPE‬ ‪#‎DRESDEN‬

Teil II

„Wir gehen davon aus, dass der Bescheid in weiten Teil grob rechtswidrig ist.
Doch überzeugt euch selbst…

Link zum gesamten Bescheid: (3MB)

http://sfale.de/CGhXpbmD

‪#‎DD1605‬‪#‎NOPEGIDA‬‪#‎FORTRESSEUROPE‬

Hier die Bescheide der Landeshauptstadt Dresden:

bescheid1bescheid2bescheid3bescheid4

Teil III

Pressemitteilung der Initiative Kaltland-Reisen am 15.05.2016

Faktisches Verbot des Protests in Hör- und Sichtweite zu „Festung Europa“ am 16.05.2016 in Dresden

Am 10. Mai 2016 meldete die Initiative „Kaltland-Reisen“ unter dem Motto „Brücken bauen statt Rassismus“ eine Gegenprotestveranstaltung zur offen neofaschistischen Kundgebung des Bündnisses „Festung Europa“ an.

Hinter „Festung Europa“ verbergen sich die PEGIDA-Mitorganisator_innen Tatjana Festerling und Edwin Wagenveld, die das neue Bündnis sowohl dazu nutzen, der sich mittlerweile fast vollständig auf Dresden beschränkenden PEGIDA einen internationalen Anstrich zu verleihen, als auch völkisch-nationalistische und geschichtsrevisionistische Inhalte zu kommunizieren.

Mit der Veranstaltung „Brücken bauen statt Rassismus“ sollte sowohl direkter Gegenprotest zu diesen neofaschistischen Inhalten als auch die Möglichkeit geschaffen werden, sich als PEGIDA-Gegner_in zwischen der Dresdner Neu- und Altstadt frei zu bewegen. Diese Möglichkeit war bei vergangenen Veranstaltungen oft nicht gegeben, da sie entweder durch die Behörden oder die durch PEGIDA geschaffene Bedrohungslage für ihre Gegner_innen unterbunden wurde. Das Anliegen der Versammlung Brücken zwischen Menschen für ein solidarisches Miteinander zu bauen scheint der Dresdner Versammlungsbehörde nachrangiger zu sein, als das Anliegen eine „Festung Europa“ zu propagieren, auszugrenzen und Schuldkultumkehr zu betreiben.

Am Nachmittag des 14. Mai 2016 stellte die Dresdner Versammlungsbehörde den Bescheid zur geplanten Veranstaltung zu. Darin festgehalten ist die Hauptversammlungsfläche am Elbufer, also in einem Talkessel und damit nicht in Hör- und Sichtweite zu PEGIDA. Es ist einer Abordnung von maximal zehn Personen gestattet, diese Fläche zu verlassen und vor dem Blockhaus optischen Protest kundzutun. Das Mitführen jeglicher „geräuscherzeugende Utensilien“ ist dabei jedoch untersagt.

„Faktisch kommt diese Auflage einem Verbot der Versammlung gleich“, so der rechtliche Vertreter der Initiative, „Das kommunikative Anliegen der Kundgebung kann nicht mehr öffentlich transportiert werden. Dass im Gegensatz dazu keine entsprechende Beauflagung der Kundgebung der „Festung Europa“ vorliegt, stellt einen Ermessensausfall der Behörde da. Die Grundrechte zweier Grundrechteträger werden hier in keiner Weise in Ausgleich gebracht.“

„Kaltland-Reisen“ kritisiert weiterhin scharf, dass die Versammlungsbehörde den Bescheid erst am Samstagnachmittag und im Vorfeld zweier Feiertage erließ und zustellte. Damit verunmöglichte sie wissentlich ein weiteres Vorgehen vor dem zuständigen Dresdner Verwaltungericht und verletzt damit nicht nur das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit, sondern auch die Rechtsweggarantie des Grundgesetzes.

„Die Dresdner Versammlungsbehörde verletzt die Grundrechte von Bürger_innen und spielt Rassist_innen und Verfassungsfeind_innen in die Hände. Wir werden dies nicht ohne weiteres akzeptieren und fordern alle engagierten Menschen auf, an diesem Tag ihr Grundrecht auf Protest in Hör- und Sichtweite zu einer menschen- und demokratiefeindlichen Kundgebung auszuüben“, schließt die Anmelderin der Versammlung.

„Kaltland-Reisen“ ruft daher auf, ab 14:00 Uhr zum zugewiesenen Protestpunkt zu kommen und selbstständig Spontanversammlungen in Hör- und Sichtweite anzumelden.

Den kompletten Bescheid finden Sie unter:

http://sfale.de/CghXpbmD

Teil IV:

„Wow, wir sind ’ne Runde begeistert – und haben angesichts der riesigen Resonanz auf die Veröffentlichung unseres Versammlungsbescheides erstmal ein kleines Plenum abgehalten.

Was geht am Montag?
Wie melde ich selber eine Versammlung an?
Tipps und Tricks

Anmelderin und rechtlicher Beistand, Anreiseteam und Medienmenschen, Geräuscherzeugnisexpert*innen und Eskalaktionsbeauftragte – alle waren dabei und haben einstimmig beschlossen: Da geht was am Montag in Dresden.

Innerhalb des gesetzlichen Rahmens werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, dem faschistoiden PEGIDA-Ableger „Festung Europa“ die angemessene kritische Begleitung entgegenzusetzen. Wir hoffen, dass ihr uns, Gepida und Herz statt Hetze dabei unterstützt, einen großen und vielfältigen Gegenprotest auf die Beine zu stellen.

Los geht es am 16. Mai um 14 Uhr bei auf dem Jorge-Gomondai-Platz und bei uns – wie angekündigt und beschlossen – in Hör- und Sichtweite zu PEGIDA/’Festung Europa‘ am Neustädter Markt mit dem goldenen Reiter.
Die ersten( „angel“-Emoticon noch zu diskutieren „angel“-Emoticon ) zehn Personen erhalten die Logenplätze am Blockhaus (Dresden).
Außerdem hoffen wir auf eine rege Anmeldelage:
Bisher:
Arsch hoch gegen Rassismus #DD1605
Die Festung belagern: Täter benennen, Faschisten widersprechen!
Musik bewegt die Welt – Bühne frei für ein Miteinander in Dresden
Womit wir zum nächsten Punkt kommen:

Schaut euch alle den Stadtplan an und überlegt, welche Orte für Protest in Hör- und Sichtweite angemessen sind. Schätzt ab, wie viele Personen ihr werdet und denkt – leider muss man das immer wieder erwähnen – auch daran, dass aus PEGIDA-Klientel in den vergangenen Monaten immer wieder Angriffe auf Andersdenkende stattgefunden haben.
Seid in Gruppen unterwegs und passt auf.
Dokumentiert Versuche von den völkischen Nationalist*innen aka besorgte Bürger*inne aka Protofaschist*innen anzugreifen, zu beleidigen oder Auflagen zu verletzen. Wir versuchen unser möglichstes: Jede*r Pegidist*in, die meint, dass sie aufholen muss, wird mit den Konsequenzen leben müssen.
Im Übrigen einige rechtliche Tipps und Tricks zu einer Versammlungsanzeige:

Ihr könnt nach § 14 Abs. 3 bzw. §14 Abs. 4. SächsVersG Eilversammlungen oder Spontanversammlungen anmelden.
Für erstere findet ihr im unteren Teil des Textes die Vorlage.
Letztere zeigt ihr vor Ort der Polizei an und besteht darauf, dass die Dresdner Versammlungsbehörde dies bescheidet. Außerdem schreibt ihr euch bitte die Namen der Polizeibeamten mit denen ihr kommuniziert nach § 8 SächsPolG auf.
Wir haben für zweifelhafte Fälle Dienstaufsichtsbeschwerden bereits fertig und verraten euch nach der Demo wie ihr damit erfolgversprechend umgeht. Im Übrigen könnt ihr euch vertrauensvoll am Tag selber per PM oder Twitter an uns wenden, wir lassen euch dann Hilfe zukommen.
Wir mögen zwar manchmal als wenige erscheinen , aber unsere Überzeugung und Haltung verunsichern diejenigen, die nur in der Masse Stärke finden, bereits jetzt massiv.
Deutlich wird das an der Schnappatmung mit der PEGIDA und deren Anhänger*nnen und Mitläufer*innen reagieren und sich gegenseitig Mut zu sprechen. Wieder nehmen die Täter die Opferhaltung ein.

Sofern die Versammlungsbehörden euch keine weiteren Auflagen und Beschränkungen mitteilt, könnt ihr davon ausgehen, dass ihr die Versammlung so durchführen könnt wie ihr diese angezeigt habt.
Sollten euch das Amt oder die Polizei in deren Vertretung bestimmt Auflagen oder Beschränkungen erteilen, so sind diese nur zulässig wenn sie unter deutlich erkennbaren Umständen die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bei Durchführung der Versammlung oder des Aufzuges unmittelbar gefährdet ist. (SächsVersG Art.15 (1) ).
Lasst euch alles in Ruhe erklären, fragt nach und notiert euch alles, lasst euch nicht verrückt machen.
Im Zweifelsfall immer die Coolness bewahren und Kontakt zu uns aufnehmen, siehe oben.“

Pegida – Busen, Bier und Islamismus

Bitte lest diesen Artikel:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/15/pegida-kathrin-oertel-lutz-bachmann

Auszug:

„Die Facebook-Seiten von Bachmann und seinen Freunden taugen für ein Sittengemälde des deutschen Prolls. Man sieht Bachmann dort auf Partys, mit glasigem Blick, auf den Kopf hat er sich einen Pümpel gesetzt, eine Saugglocke, mit der man eigentlich verstopfte Klos wieder freibekommt. Man kann nachlesen, dass die Bachmanns sich bei der Facebook-Aktion „Deutschlands schönste Paare“ bewarben und dass sie ihre Wohnung die „Königliche Residenz Derer Von Und Zu Bachmann“ nannten. Auch ihre Hochzeit präsentierten Vicky und Lutz komplett im Internet: ein Fest mit Pomp und Pumps. Weißes Kleid, weiße Blumen, weißer Schirm, weiße Krawatte, weißes Hemd. Viele von denen, die später zu Pegida-Anführern wurden, waren nicht nur bei Hochzeit oder Polterabend anwesend, sondern kommentierten auch fleißig mit, wenn die Bachmanns aus ihrem Leben berichteten. Das taten sie, über Jahre, für alle einsehbar. Wer sich heute noch einmal durch ihre Profile klickt, der stellt fest: Pegida, ein Phänomen, das die Republik über Monate in seinem Bann hielt, hat seine Wurzeln im Allerbanalsten.

Siegfried Däbritz, ein Waffennarr aus Meißen, setzte sich mit Lutz Bachmann zusammen Pümpel auf den Kopf – Ewigkeiten vor Pegida.

Achim Exner, früher Sicherheitschef von Dynamo Dresden, lobte Vicky Bachmann, wenn sie Selfies mit Schmollmund und schwarz lackierten Nägeln postete.

Tom Balazs aus Dresden ließ sich mit Bachmann und Frauen auf Partys fotografieren – als nicht daran zu denken war, dass der mal einer der Erfinder von Pegida werden könnte.

René Jahn, Hausmeister, erklärte, Monate ehe er Pegida-Vizechef wurde, unter einem Foto von Lutz Bachmann und seiner Liebsten: „Ihr seht geilo aus.“

Und Frank Ingo Friedemann, Pegida-Planer der ersten Stunde, diskutierte mit Vicky Bachmann, ob man einen Pümpel auch als „Büstenheber“ verwenden könnte.

Von dem Dutzend Pegida-Organisatoren gehörten die meisten schon ewig zu den Bekannten oder Freunden von Bachmann. Sie diskutierten mit, wenn Bachmann auf Facebook erklärte, eine „gefährliche Männergrippe“ fessle ihn ans Bett. Oder wenn er das Dekolleté seiner Ehefrau fotografierte und fragte, ob es symmetrisch sei. Die Bachmanns und ihre Freunde auf Facebook, das waren Zeigefreude und Geltungsdrang. Immer wieder schrieben sie über ihre Liebe zum Reality-TV, und für den Betrachter sieht es aus, als hätten sie die Sendungen einfach nachgespielt. Für ihre Freunde gaben Lutz und Vicky Bachmann so etwas wie die ostdeutschen Geissens, ein Glamour-Couple, Tarzan und Jane aus 01723 Kesselsdorf bei Dresden. Und die Freunde feuerten sie dabei an.

Aber es waren Zufälle, die dazu führten, dass diese Clique, die sich für Busen und Bier interessierte, politisch aktiv wurde. Und auch dabei spielte Facebook eine Rolle.“

Ein weiterer Auszug:

„In Kesselsdorf, einem Vorort von Dresden, wohnen die Bachmanns in einem der vielen Neunziger-Jahre-Mehrfamilienhäuser, hellblau gestrichen. Vor dem Haus steht Bachmanns Würstchenanhänger, bedruckt mit „Das Original – Sächsische Rostbratwurst“, und dem Preis: 2,50 Euro, inklusive Brötchen. Bachmanns Vater ist Fleischermeister. Die Bratwurst, hergestellt nach Familienrezept, fertigen die Bachmanns bis heute. Lutz Bachmann soll vor Kurzem noch selbst mit dem Würstchenwagen die frisch Gegrillten unters Volk gebracht haben. Vielleicht tut er es auch heute noch, er verrät es nicht.

Nach dem Abi hatte Lutz Bachmann Koch gelernt, dann Anfang der neunziger Jahre eine Werbeagentur gegründet. Aber er geriet rasch auf die schiefe Bahn: Mit Anfang 20 begann er eine Serie von Einbrüchen, Körperverletzungen, Diebstählen. Schon damals schaffte er es in die Bild-Zeitung: als „Panzerknacker aus Dresden“. 1998 wurde er zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er setzte sich nach Südafrika ab. Erst als ihm dort die Abschiebung drohte, habe er sich gestellt, gibt Bachmann zu . 2001 kam er ins Gefängnis, nach 14 Monaten war er auf Bewährung frei. 2009 wurde er mit Drogen erwischt, Kokain, er erhielt eine Bewährungsstrafe. Und weil er den Unterhalt für seinen Sohn aus einer früheren Beziehung schuldig geblieben sein soll, muss er sich bis heute mit der Justiz auseinandersetzen. Der Sohn immerhin scheint keinen Groll zu hegen, bei mindestens einer Pegida-Demo war er als Ordner aktiv. Auch Bachmanns Vater sah man schon in der ersten Reihe, er hielt das große Pegida-Banner bei der Kundgebung. Vicky mischt ja ohnehin mit. Pegida ist auch ein Familienbetrieb.“

(…)

„Auch für Dresdens Rotlicht-König arbeitete Bachmann: Wolfgang „Wolle“ Förster. Förster betreibt Dresdens bekanntestes Striplokal Klax, außerdem wie Bachmann eine PR-Firma. Eine Zeit lang müssen Bachmann und Förster Geschäftspartner gewesen sein, noch bis vor wenigen Wochen lief die Website von Bachmanns Agentur auf Försters Namen – was der sich, sagt er, nicht erklären könne: „Wir gehen seit fünf Jahren getrennte Wege.“

Ich habe mit dem Kopf geschüttelt, gelacht, mich fremdgeschämt. Durchaus kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Geschichte des Herrn Lutz Bachmann und dessen Gefolgsleuten signifikant für deren Rhetorik ist.  Eine gewisse Unbildung, gepaart mit kruder Skandierung – das kommt uns doch bekannt vor, oder?

Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt herzlich lachen!

Wir sehen uns ausgeschlafen.

Eure Sylvia Kling

„Handarbeit“ und Gedenktag an die Opfer des Holocaust

 

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb

Foto und Gestaltung: Andreas Rüb/

Sein Blog: http://dschungelpinguin.com/

Gestern wurde in Israel an die Opfer des Holocaust gedacht – 6 Millionen Juden.

Heute werden um 10 Uhr im ganzen Land zum Gedenken an die Opfer die Sirenen für zwei Minuten heulen. Das alltägliche Leben wird in diesen Minuten zum Stillstand kommen.

Niemals dürfen die Verbrechen vergessen werden, die im Namen unseres Volkes geschehen sind. Und nie, nie wieder dürfen wir sie zulassen!

Ich wünsche allen Lesern und Besuchern einen angenehmen Feiertag.

Wir sehen uns ausgeschlafen!

Sylvia Kling

Albern ist das – Ein Gastbeitrag von Sonja Manderbach

Albern ist das

Mit einem Teelicht die Welt retten wollen?
Mit Kerzen und Liedern, Musik und Geschichten?
Albern ist das.
Kindisch, naiv, traumtänzerisch.
Gutmenschen. Trottel.

Man rettet die Welt nicht mit der Stimmgabel.
Nicht mit dem Taktstock, der Singstimme,
Nicht mit Lichtern, Geschichten, Kerzen und Niedlichkeit.
Albern ist das.
Mit einem Teelicht gegen die unendliche Dunkelheit im ganzen Universum?

Mit Lichterketten gegen Fremdenhass?
Was ist Fremdenhass?
Sind Fremde die besseren Menschen und die, die sie hassen, dumm?
Albern ist das!
Die Fremden, die Juden, die Muslime, die Flüchtlinge
– oder wer auch immer gerade im Blickfeld ist –
sind nicht die besseren Menschen,
und deshalb haben die Gutmenschen sie so lieb,
und die Schlechtmenschen hassen sie,
weil sie besser als sie sind.
Nein.
Besser sind die Fremden nicht.
Auch nicht schlechter.
Da sind sie.
Menschen sind sie.
Anders sind sie.
Anders als wir.
Genauso wie ich.

Montags.
Wir sind das Volk.
Wir wollen Freiheit.
Keine Diktatur.
Keine faschistische, keine kommunistische, keine religionsfanatische.
Keine Diktatur.
Keine Minenstreifen, keine Grenzsoldaten,
Keine Gleichschaltung, kein Denkverbot.
Keine Diktatur.
Freiheit.
Wir sind das Volk.

Montags.
Wir sind das Volk.
Warum brüllen sie denn so?
Hat ihnen irgendjemand was weggenommen?
Nur weil es andere gibt, die auch was brauchen?
Nicht von ihnen, aber genauso wie sie.
Wen hassen sie denn eigentlich?
Wer schadet ihnen denn?
Die, die auch den anderen schaden.
Die, vor denen die anderen fliehen?
Nicht genau dieselben.
Aber doch irgendwie derselbe Menschenschlag?
Die, die Macht haben wollen, unermesslichen Reichtum,
Ausbeutung, Terror, Gewalt und Krieg.
Wir sind das Volk – wir dieses und die jenes Volk.

Montags.
Einige zünden jetzt Lichter an.
Montags – gegen den Hass, für den Frieden.
Montags – gegen Gewalt, für Mitgefühl.
Für Mitweltlichkeit, Mitmenschlichkeit …
Montags abends ein Teelicht oder ’ne Kerze?
Ansonsten der immer gleiche Alltagstrott.
Nichts ändert sich.
Sie kaufen unfair gehandelte Waren,
in Plastik verpackt,
unökologisch produziert.
Sie finanzieren das System und produzieren Waffen.
Jeder macht irgendwie mit.
Albern ist das!

Was kann einer alleine schon ändern?
Fragt sich jeder und jede – fragen sich alle.
Jeder und jede für sich. Allein. Alle.
Mancher zündet ein Teelicht an.
Aus lauter Verzweiflung.
Ein Licht gegen Hilflosigkeit.
Albern ist das?
Und dann sind da all die anderen.
Mit all den Lichtern.

Macht ist das nicht.
Keiner weiß, wie das alles ausgehen wird.
Ist das Opium? Volksberuhigung?
Sie zünden Lichter an, singen Lieder, erzählen Geschichten, schreiben Texte, Satire, Theaterstücke, Gedichte …
(Manche schauen stattdessen das Fernsehprogramm
und glauben daran.)

Aber die mit den Lichtern, was glauben die?
An das Gute? An das Leben? An die Liebe?
An Stärke statt Machtgier?
An Miteinander statt gegeneinander?
An Nebeneinander – gemeinsam unterschiedlich
– statt einander gegenüber, uneins,
aber im Dagegensein gleichgeschaltet?
Albern ist das?

Vielleicht muss nicht alles immer das Gegenteil von albern sein.
Vielleicht ist es egal, was man tut, weil sich eh‘ nie was ändert.
Aber, wenn es eh‘ egal ist, was man tut,
dann ist es egal, dass man es tut.
Dann kann man das machen oder auch nicht.
Grad wie man mag.
Albern sein, tut manchmal einfach gut.

Vielleicht geht es nicht immer um den Effekt.
Teelichter zwingen Kriegstreiber nicht in die Knie.
Vielleicht macht man das nicht für irgendein „Umzu“.
Um zu ändern, um zu zeigen, um zu bewirken …
Vielleicht macht man das einfach nur so.
Montags abends grüßen sich Menschen gegenseitig mit Lichtern und sagen:
Ich sehe dich. Und hier bin ich.
Mehr nicht.
Nicht nichts.

Albern ist das!
Und das ist gut.
Noch nie waren die, die Krieg wollten, albern, kindisch, verträumt und niedlich.
Nein, die sind ernst, vernünftig, klug, rational und realistisch.
Die sehen die Welt, wie sie ist.

Wir sind das Volk.
Wir sehen, was sein könnte – und das, was immer AUCH ist. Aber nie nur.
Meistens leise und klein, unscheinbar und niedlich – irgendwie albern, ganz sicher nicht gigantisch.
Wenn Gigantomanie die Krankheit ist, die zerstört: Lebensräume, Menschenleben, Frieden und Träume – was ist dann sinnvoll an riesig bedeutsamen Handlungen?

Was sagen wir unseren Kindern, wenn sie fragen?
Sind die Fremden böse oder gut?
Oder sind die böse, die sie hassen, die wütenden Bürger?
Sind die gut?
Wer sind wir? Sind wir gut?
Sind wir denn überhaupt ein „Wir“?
Mit wem haben wir denn Gemeinsamkeiten?
Mit allen?
Mit den Fremden?
Mit den wütenden Bürgern?
Mit den anderen?
Mit allen?
Und worin bestehen die Unterschiede?

Ach so.
Teelichtgespräche mit Kindern in Häusern,
in denen Fragen gestellt und Gespräche geführt werden,
Geschichten gehört und Gedanken gedacht,
Gedichte geschrieben, Lieder gesungen und Bilder gemalt werden.
Und Teelichter angezündet.

Wenn es egal ist, weil es sinnlos ist und nichts bringt, dann ist es egal, dass man es tut.
Wenn es egal ist, dann muss es nicht kritisiert und in Frage gestellt werden.
Vielleicht ist es nicht egal, sondern albern.
Nicht egal (gleich / gleichgültig), sondern anders.
Nicht egal (unsinnig / unscheinbar), sondern sichtbar und – anscheinend – etwas auslösend.
In den Häusern, in den Familien.
Vielleicht ist es einfach.
Was es ist.

Hintergrundinfos „zur Person“:

Sonja Manderbach (Jahrgang 1977)

Sonja Manderbach

Sonja Manderbach

Berufliches Wirken und Ausbildungen:

„Vielfalt macht viel Freude!“
Musik-Erlebnis-Projekt
zur Inklusion psychisch erkrankter Menschen
in die Gemeinschaft ALLER Menschen
gegründet von Sonja Manderbach (2011)
Trägerin des Projekts (seit 2013):
evang.-luth. Kirchengemeinde Osternburg
(in Oldenburg (Oldb))

MOSAIK – Zentrum für inklusive Beratungs- & Bildungsarbeit
Philosophische Praxis – Musikschule – Seminarhaus
Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien, Paare, Teams

Sonja Andrea Manderbach M.A.

Philosophin & Kulturwissenschaftlerin M.A.

Studium an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 1997 bis 2005

Studienschwerpunkte:
Ethik (Praktische Philosophie, Politische Philosophie, Sozialphilosophie), Wissenschaftsphilosophie, Erkenntnistheorie,
Kulturanthropologie,
Musik (Weltmusik/ Klezmer/Musik-Erlebnis-Pädagogik)

Freiberuflerin (Beginn noch als Studentin) seit dem Jahr 2000;
Zuvor ehrenamtliche Mitarbeit als Gruppenleiterin bei der evangelisch-lutherischen Kirche seit 1991und bei Naturschutzverbänden (z.B. Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer)

Kirchenmusikerin
(C-Ausbildung – C-Prüfung: 2012),
Musikerlebnispädagogin & Musiklehrerin (Klavier, Keyboard, Blockflöten, Gitarre, Gesang & Stimmbildung)

Kommunikationstrainerin & Konfliktschlichterin (Mediatorin – Ausbildung 2000 bis 2002)

Kinesiologin & Entspannungspädagogin (verschiedene Methoden
(Ausbildung seit 1996 – laufend Fortbildungen)
(Lernberatung, Krisen- & Prozessbegleitung, Stressreduktion)


Bei gewünschten Rückfragen oder Kontaktinteresse zu Sonja bitte ich darum, mich per Mail zu informieren oder Sonja auf Facebook zu kontaktieren.