Dresden – die missbrauchte Stadt und der Verlust meines Heimatgefühls

Trauer, Wut, Enttäuschung ist in mir. Die Menschen schreiben sich im Netz die Finger wund, aber sie agieren nicht, sind zu bequem auf die Straße zu gehen und etwas zu tun. Solange es so läuft, läuft es eben.
Doch wie lange? Wissen sie, was laufen wird?

Es ist STUNDE DREIZEHN (enthalten in dem Buch „AusGeatmet). Vor Monaten schrieb ich das Gedicht und vielleicht belächelten mich einige und empfanden den Text als zu „dramatisch“.

Ich fühle mich nicht als Opfer, wie Sören Benn schrieb. Ich fühle mich eher wie eine Dresdnerin, die noch immer an ihrer Heimat hing. Wenn ich auch schon immer mit der Mentalität der Sachsen im Clinch lag, so war es dennoch meine Heimat.

Dresden ist nicht mehr meine Heimat. Klingt es hart? Das mag sein. Aber für eine Heimat brauche ich ein Gefühl.
Für mich bedeutet Heimat der Ort, wo mein Herz hängt.

Fahre ich jetzt nach Dresden, spüre ich eine Unruhe in dieser Stadt. Diese kann ich nicht ausreichend beschreiben und sie liegt definitiv nicht an den Flüchtlingen.

Es ist eine rauhe Atmosphäre. Dieser Stadt fehlt die alte Ruhe, die alte Beschaulichkeit, das alte, bezaubernde Flair. Wenn ich auch allgemein recht geräuschempfindlich bin, so erging es mir noch nie in Dresden, dass ich nach nur zwei Stunden völlig erschöpft bin und mich auf seltsame Weise unangenehm berührt fühle.

Der Zauber ist verflogen.

Die Krone und die Seele dieser schönen Stadt wurde besudelt.
Auch Worte und vergiftete Herzen können Städte beschmutzen.

Sylvia Kling

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/standard/Die-missbrauchte-Stadt/story/28640024

„Die missbrauchte Stadt

Passive Bürger haben Dresden an die radikalen Fremdenfeinde von Pegida ausgeliefert. Das Drama einer Stadt, die sich nicht wehrt.“

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23 Gedanken zu “Dresden – die missbrauchte Stadt und der Verlust meines Heimatgefühls

  1. Ich hab‘ sie mir schon angeschaut – mit wachsender Gänsehaut…

    Was Du fühlst kan ich doch ein wenig vergleichen mit dem was in mir umgeht, wenn ich lese und höre was in meiner ‚Originalheimat‘ voorgeht – in de Türkei. Dann denke ich auch mit Schmerzen dass ich nur noch Belgien habe als Heimat. Und doch kann ich es nicht lassen, suche Nachrichten, Kommentare… Der reine Masochismus… 😦 Es sitzt einfach zu tief unter meiner Haut…

    Aber Belgien ist auch kein Paradies. Selbst in dem ausgewachsenen Dorf wo ich wohne, wo nur 18 Flüchtlinge ein Bleibe haben, höre ich Pegida-artige Kommentare und wird es mir ganz schlecht… Die Nachtseite der Globalisierung?

    Gefällt 1 Person

  2. Ich denke, dass bei den meisten Pegidioten eine Woch Syrien – in Raqqa zum Beispiel – und eine Fahrt übers Mittelmeer in einem Seelenverkäufer völlig ausreichen würden… :mrgreen:
    Tja, Profilbildchen einfärben ist halt im Verhältnis zum offenen und aktiven Protest gegen Rechts weitaus einfacher – und ungefährlicher…

    Gefällt 4 Personen

  3. muss schrecklich sein.

    Was bin ich froh, im Rheinmain-Gebiet zu wohnen – und das in einem Viertel mit mehrheitlich ‚Migranten‘ und Entwurzelten, durchaus auch mit ‚verängstigter‘, von der Globalisierung überforderter deutscher Mittel- und Unterschicht.

    Dennoch wären hier solche Auftritte von geradezu entfesselten faschistoiden Horden (noch ?) unvorstellbar.

    Gefällt 2 Personen

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