Kinder erfahren und Eltern sprechen

Die Kinder können wir nicht von alledem fernhalten, was jetzt auf dieser Welt geschieht.  Gerade mit den größeren Kindern sollten wir – je nach Entwicklungsstand – sprechen. Experten sind deshalb der Ansicht, die Kinder über die aktuellen Ereignisse altersgemäß zu informieren. Sie hören, sie nehmen wahr, sie sollen nicht unterschätzt werden.

Erfahren die Kinder von ihren Eltern nichts, suchen sie sich die Informationen anderswo und dies kann unangenehme Folgen haben. WER sagt ihnen WAS und WIE wird es gesagt? Wir können also bewußt Einfluss darauf nehmen, was unsere Kinder erfahren, erkennen und lernen!

Es ist eine Frage des Vertrauens. Kinder vertrauen uns. Das beinhaltet auch, dass sie darauf hoffen, von uns alles zu erfahren, was auch und vorallem ihr Leben und ihre Zukunft betrifft.

Mein Sohn ist 12 Jahre alt und hat vor zwei Tagen folgende, kleine Geschichte zu seinem gemalten Bild geschrieben:

„Bildbeschreibung – Was zeichnete ich? Ich zeichnete ein wildes Tier und auf diesem Wesen saß die Erde.
Unter dem erhobenenen Bein waren ein Haus und ein Verbrecher. Außerdem sieht man oben rechts einen Aktenschrank der Politiker und verdorrte Pflanzen darüber.
Links vom Blatt zeigt eine Säbelhand hinen. Auf dieser Säbelhand standen viele Menschen.
Welchen Sinn habe ich damit dargestellt?
Das wilde Wesen stellt das Unwesen dar. Auf diesem Wesen liegt die Erdkugel.
Kombiniert ist es das Unwesen der Welt.

Mit dem Unwesen meinte ich die negativ entwickelte Welt. Die unterlegenen Häuser sind die Eigentümer des Volkes.
Nein, nicht nur die Eigentümer, sondern auch das Volk selber.
Die Säbelhand, die links hinein zeigt, ist die Aufregung des Volkes.
Auf dieser Säbelhand steht auch das Volk.

Egal, über was sie sich aufregen, fast alle sagen, dass es so nicht weitergehen kann. Oben rechts im Bild steht der Aktenschrank. Über diesem Schrank stehen verdorrte Blumen.
Auch sie haben nicht mehr die Kontrolle über das Geschehen.“

Es ist sehr phantasievoll, doch man erkennt durch die Verwendung gewisser Worte und Bilder den Sinn.

Ich möchte meinem Kind gern Sicherheit vermitteln. Ich sage ihm: „Mama passt auf Dich auf. Mama wird mit darum kämpfen, dass die Menschen in unserem Land erkennen, was am Wichtigsten ist.“

Garantie kann ich ihm nicht mehr geben.  Doch das sage ich nicht.

Sylvia Kling

Bild eines 12-Jährigen im November 2015

Bild eines 12-Jährigen im November 2015

Text - Teil 1 -

Text – Teil 1 –

Tegt, Teil 2

Text, Teil 2

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35 Gedanken zu “Kinder erfahren und Eltern sprechen

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  21. Das ist ein Bild, wie viele Kinder es zeichnen. Die Interpretation zeigt ein reifes Verstehen. Als „Unwesen“ bezeichnet der Junge die negativ entwickelte Welt. Er hat daher einen Begriff vom „Wesen“ – der positiv entwickelten Welt. Der Säbel, der ins Bild ragt, zeigt die Aufgeregtheit des Volkes, das allerlei Gründe für seine Aufregung hat, die diffus und negativ bleiben („so kann es nicht weitergehen“). Die Hauptsorge gilt wohl dem eigenen Haus, das bedroht ist. – Die Welt, die auf dem Rücken des Unwesens liegt, ist schön geschmückt und könnte Raum geben für alle Wesen – doch so klein und getrennt wie sie daliegt, wird sie vom Unwesen beherrscht. Die Politiker sind hilflos.
    Es wäre schön, mit dem Kind eine Variante zu erarbeiten, in der die Erde zu ihrem wahren Wesen kommt, indem sie zu einem Ort für alle Wesen wird.

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    • Liebe Gerda,

      was für ein Kommentar, den ich leider erst jetzt sah bzw. per Mail angezeigt bekam. Entschuldige bitte daher die Verspätung meiner Antw0rt.
      Ja, die von Dir angesprochene Variante zu erarbeiten, ist eine gute Möglichkeit. Allerdings kommen in mir Zweifel auf, ob ich damit nicht mit meinem Sohn eine idealistische Welt modelliere (obgleich sie unstrittig meinen Vorstellungen entspricht – das muss ich sicher nicht erwähnen).
      Ich erkläre ihm schon, was wünschenswert ist und mache ihn niemals hoffnungslos, doch auch möchte ich nicht verhehlen, dass die Realität leider andere Formen annimmt und dennoch ein Wirken jedes Einzelnen für Frieden, ein gutes Miteinander sehr wichtig ist. Etwas anderes erlebt er bei seiner Mutter auch nicht – ich lebe es ihm vor. Ich denke, dass ist ein ganz erheblicher Punkt dabei.

      Hab herzlichen Dank für Deine anregenden und tiefen Worte.

      Liebe Grüße,

      Sylvia

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      • Liebe Sylvia, es freut mich, dass du meinen Kommentar hilfreich fandest. Sicher geht es auch mir nicht um Heile-Welt-Idyllen. Was ich aus dem Bild deines Sohnes herauszulesen meinte, war, dass er von seiner Umgebung vor allem diese konfuse, aggressiv-hilflose Message erhält „So kann es nicht weitergehen“ und „ich kämpfe gegen die Schlechtigkeiten“. Aber wie kann es weitergehen? Wie? Das kann ihm keiner sagen – und doch soll er in dieser Welt seinen Platz finden – mit starkem Herzen, mit Mut und klaren Gedanken. Wir Älteren sind meist selbst so hilflos, dass wir in uns keine Vision entwickeln können (vielleicht hatten wir eine, als wir jünger waren), und das einzige, was uns einfällt, um die Kinder zu beruhigen, ist: Mama passt schon auf, dass dir nichts Schlimmes passiert. Das ist aber nicht genug, denn das Kind will erwachsen werden und selbst handeln. Daran dachte ich, als ich schrieb: gemeinsam mit dem Kind ein Bild entwickeln, das nicht das Unwesen, sondern das Wesen der Erde zeigt. Liebe Grüße! Gerda

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  26. Liebe Sylvia,
    was für ein berührender Beitrag!
    Eine Mutter, die die Träume ihres Sohnes ernst nimmt und ein Sohn, der seine Träume selbst- bewusst und so deutet, wie wenn er an die Bilder seiner Träume schon gewöhnt ist und sie damit zu deuten versteht! Ich glaube, das kann ihm im Leben viel helfen!
    Leider zeigt es eben auch das, was unsere Welt mit unseren Kindern anstellen kann…
    Ja, das Schreiben und Malen kann deinem Sohn helfen, innere Sicherheit zu erlangen, bis er ohne seine mutige Mama sein Leben in die Hand nimmt und es -trotzdem- kraftvoll und voll Hoffnung lebt!
    Herzlichen Dank! Liebe Grüße, Petra

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  28. Ich kann deine Sorge so gut verstehen. So traurig ich bin, dass ich keine Kinder habe, in dieser Zeit bin ich fast froh darüber. Wir brauchen viel mehr Mütter wie dich, die „die richtige Saat“ legen. Dein Sohn ist ein großer Hoffnungsschimmer in dieser traurigen Zeit. Er wird seinen Weg gehen. Da bin ich ganz sicher! Du kannst stolz auf ihn sein.

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    • Und ich verstehe Dich nur zu gut. Erst kürzlich hörte ich das von Anna-Lena: Auch sie sagte, dass sie inzwischen froh ist, keine Kinder zu haben.

      Ja, mein Sohn ist ein besonderes Kind mit einem großen Herz. Nicht zuletzt deshalb wird er lernen, dieses gut einzusetzen.

      Ich danke Dir für Deine lieben Worte, Sabine!

      Herzliche Lesungsvorbereitungsgrüße,
      Sylvia
      (PS: Ich rezitiere täglich 45 Gedichte – boah! …Üben kann schrecklich sein … 🙂 )

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  29. Liebe Sylvia,
    ein intelligenter junger Mann ist Dein Sonnenschein. Ich glaube, dass Beste was man in dieser verrückten entrückten Zeit privat machen kann, ist es, seine Kinder persönlich zu stärken, ihnen Mut machen und sie auch lehren, Probleme und Konflikte auszuhalten und zu bestehen. Ich denke, dass machst Du sehr schön. Und vor allem ist es wichtig, den Kindern Angst zu nehmen…Selbst wir „Erwachsenen“ (sind wir nicht auch nur größerer Kinder?) wissen doch oft nicht, was um uns gespielt wird, welche Fäden durch die Politik gesponnen werden und wer da im Hintergrund wirklich die Macht hat…Es gibt kein Schwarz/Weiß. Wie sollen dann erst unsere Kinder diese Tollhaus-Welt verstehen…. Kinder sind unsere Zukunft und das Wertvollste, was wir um uns haben. Und manchmal halten sie uns auch den Spiegel vors Gesicht. Und auch das müssen wir aushalten.
    Drück Ferenc ganz lieb und sag ihm, dass er unbedingt weiter schreiben soll. Ich glaube, auch er kann mit seinen Worten dazu beitragen, die Welt um uns herum liebenswerter zu machen.
    Sei lieb umarmt von Deiner
    (manchmal eben auch andersherum denkenden….)
    Katrin

    Gefällt 2 Personen

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