„Der Hass widert uns nur noch an!“ Chefredakteur der SW-Presse plaudert aus dem „Nähkästchen“

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Der Hass widert uns nur noch an

Täglich laufen in der Redaktion der SÜDWEST PRESSE Mails ein, deren Inhalt uns mittlerweile – mit Verlaub – ankotzt. Einhellig berichten die Kollegen darüber, dass die Debatte um die Flüchtlinge eine Wut entfacht hat, die sie in dieser Weise noch nie in ihrem Berufsleben erfahren haben. Ein Kommentar von Chefredakteur Ulrich Becker.

Foto: V. Könneke

Foto: V. Könneke

„Wir werden Sie schon kriegen, Sie Deutschlandabschaffer!“ – „Werden Sie eigentlich von der größenwahnsinnigen Kanzlerin bezahlt für den Schwachsinn, den Sie veröffentlichen?“ – „Eines Tages sind wir dran, und dann werdet ihr sehen, was ihr davon habt.“ – „Ihnen hat man wohl ins Gehirn geschissen.“ – „Deutschland wird erwachen.“

Die Reihe der Zitate ließe sich beliebig fortsetzen: Täglich laufen in der Redaktion der SÜDWEST PRESSE Mails ein, deren Inhalt uns mittlerweile – mit Verlaub – ankotzt. Einhellig berichten die Kollegen darüber, dass die Debatte um die Flüchtlinge eine Wut entfacht hat, die sie in dieser Weise noch nie in ihrem Berufsleben erfahren haben. Dabei geht es nicht um Kritik an der Berichterstattung oder eine sachliche Auseinandersetzung. Es geht um das unflätige Beschimpfen, die Herabwürdigung, die Diffamierung derjenigen, die die jeweiligen Artikel und Kommentare verfasst haben.

Begonnen hat diese Entwicklung mit den ersten Pegida-Demonstrationen vor einem Jahr, als der Schlachtruf „Lügenpresse“ durch die Dresdner Straßen hallte. Seitdem besteht die deutsche Presselandschaft in den Augen der selbsternannten Retter des Abendlandes aus willfährigen Knechten, die wahlweise von der CIA, dem Kanzleramt oder wem auch immer bezahlt werden. Auf jeden Fall ist die Berichterstattung in der verdrehten Logik dieser Klientel nicht wahrhaftig, unterschlägt Fakten und hat nur eines im Sinn: Die Bevölkerung im Unklaren darüber zu lassen, welche Dramatik sich tatsächlich hinter den Flüchtlingszahlen verbirgt.

In der Redaktion der SÜDWEST PRESSE wird oft darüber diskutiert, wie man sich zu Themen positioniert und welche Haltung wir einnehmen. Dabei spielen natürlich auch die persönlichen Einstellungen der Redakteure eine Rolle – niemand kann und soll seine Haltung an der Bürotür ablegen und wie eine Jacke an den Garderobenhaken hängen. Deshalb ringen wir jeden Tag darum, was veröffentlicht werden muss aus der Flut der Meldungen – immer dem Anspruch verpflichtet, dabei so wahrhaftig wie möglich zu bleiben.

In der Frage der Flüchtlinge allerdings gibt es nur eine Meinung: Wir achten die Würde des Menschen – so wie es in unseren redaktionellen Richtlinien steht. Deshalb werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass jeder Flüchtling, egal woher und warum er zu uns kommt, mit Respekt und Anstand behandelt wird. Ganz gleich, wie viele Hass-Mails die Redaktion noch erreichen werden.

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