Scheuer fordert „Deutsches Integrationsfernsehen“

Parteivorstandssitzung - Scheuer

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat von ARD und ZDF den Aufbau eines TV-Kanals für Flüchtlinge gefordert.

In diesen Kanälen solle die Vermittlung der deutschen Werte und Leitkultur erfolgen. „Integration gelingt nur, wenn die Bleibeberechtigten schnell die Regeln unseres Zusammenlebens lernen“, sagte Scheuer.  Beinhalten sollen die Angebote: Sprachkurse, Grundgesetz-Unterricht, Info-Sendungen über das „Leben in unserem Staat und unserer Gesellschaft“ sowie gelungene Integrationsprojekte. Die eingefrorene Finanzreserve der Rundfunkanstalten von rund 1,6 Milliarden Euro soll für das Integrationsfernsehen eingesetzt werden.

Irgendwie ist mir nicht recht wohl dabei und ein klein wenig erinnert es mich an die Zeiten in der DDR. Wir hatten ja damals nicht viel Auswahl: DDR 1 und DDR 2. Da wurden auch solche, allerdings russisch-sozialistische Freundschafts- und Integrationsbeiträge im Fernsehen gebracht. Der brave DDR-Bürger saß aufmerksam vor der Schwarzweißröhre und sollte seine sprachlichen Fähigkeiten in Russisch ausbauen. Ja, da gab es einen Russischsender. Ich erinnere mich noch gut (kann es sogar noch auswendig):

Дорогие друзья,
Сегодня мы посылаем фильмов из ГДР . Во-первых, мы пошлем фильм “ Война и мир “ .

 (Dorogiye druz’ya, Segodnya my posylayem fil’mov iz GDR . Vo-pervykh, my poshlem fil’m “ Voyna i mir „.

Liebe Freunde,
heute übersenden wir Filme aus der DDR. Zuerst übersenden wir den Film „Krieg und Frieden“.)

Ist es nicht allerliebst?

„Leben in unserem Staat und unserer Gesellschaft”  …

Dieser Satz entstammt sicherlich dem Staatsbürgerkundebuch der neunten Klasse, Seite „was-weiß-ich“. Mir wird ganz schwummrig dabei und ich kann mir ein überlegenes Lächeln nicht verkneifen.

Im Ernst, welche Leitkultur genau meint Herr Scheuer?
Es scheuert mir gerade das Hirn auf, denn unser öffentlich-rechtliches Fernsehen ist hochwertig genug, um festzustellen, dass keine weiteren „Integrationssendungen“ vonnöten sind. Ich denke da an wertvolle Formate von 3sat, arte, phoenix, die Platzhirsche ARD und ZDF sowie die dritten Programme in ihrer regionalen Vielfalt. Hier entsteht vor meinem geistigen Auge ein durchaus wechselvolles Bild über uns Deutsche und unsere Kultur.

Im Übrigen denke ich, dass das Fernsehen das Erlernen einer Sprache nicht fördert, sondern eher behindert.

Die Kultur und die Sprache eines Volkes lernt man am besten im direkten Kontakt mit den Menschen kennen.

Somit ist der BeSCHEUERte Vorschlag doch eher dazu geeignet, die Integration von Flüchtlingen/Asylanten nicht zu fördern, sondern diese weiter in die Isolation zu treiben.

Ein „Dauer-Fern-Seher“ ist mir ein unbeliebter Mensch, ob nun deutscher Herkunft oder als  Migrant.

Vielleicht gehört Herr Scheuer zu jenen Menschen, die Herman Van Veen in jener Textzeile beschreibt:

„Und wenn die ganze Erde bebt
das Fernsehvolk bleibt unberührt
denn nur der, der nur am Bildschirm klebt
die Wirklichkeit nicht mehr spürt.“

Mir ist das russische Fernsehen zu den damaligen Zeiten jedenfalls nicht willkommen gewesen, wenn ich mir auch den netten Einführungstext der russischen Dame eingeprägt habe. Die direkten Kontakte mit den russischen Delegationen sind  mir jedoch noch sehr in Erinnerung geblieben. Von ihnen habe ich erfahren, wie sie lebten, was sie dachten, wie ihr Alltag geprägt wurde. Meine Russischkenntnisse hatten sich nur dadurch verbessert.

In diesem Sinne wünsche ich ein erholsames, fernseharmes Wochenende,

Sylvia Kling

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23 Gedanken zu “Scheuer fordert „Deutsches Integrationsfernsehen“

  1. Fernsehen für Flüchtlinge, am liebsten auch noch mit viel Reklame zwischendurch? Gibt mir ein komische Gefühl im Bauch… :-/ Es is doch die bestehende Gesellschaft dass sie kennenlernen sollten um sich zurecht zu finden? Und das lernt man am besten auf der Strasse, in der Schule, beim Einkaufen, beim Elternabend, mit den Menschen – ich stimme Dir zu!

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  2. Als zugereister Südamerikaner kann ich aus Erfahrung nur bestätigen, dass das Fernsehen in Sachen Sprache hilft. Ich spreche akzentfrei Deutsch. Ob es ein eigener Sender sein muss, weiß ich nicht so recht… Ich habe es nicht gebraucht.

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  3. Meine liebe Sylvia,
    ich bin immer gegen das Übertriebene oder auch Extreme. Man sollte von Jedem etwas essen, ich mag keinen Hochleistungssport, keinen Schönheits oder Jugendwahn…weil letztlich ist es immer etwas Unnatürliches und führt am Ende zu einer Sackgasse bzw. in die Isolation.. Genauso sehe ich den jetzt übertrieben Flüchtlingshype. Und er erinnert mich an die zu DDR Zeiten verordnete Deutsch Sowjetische Freundschaft ( in diese Organisation mussten wir mehr oder weniger eintreten und brav unsere Beiträge zahlen…) Und nun unsere Flüchtlinge: Die Kinder sollten schnellstens in unsere Kitas und Schulen, dann brauchen wir keine mühsam erzwungene Integration, Kinder lernen schnell. Dabei bekommen sie von allen Seiten der Gesellschaft große Hilfe. Und die Erwachsenen haben auch eine Bringeschuld, wir nehmen sie zu hohen Kosten hier auf und da erwarte ich, dass von ihnen ein grosser Wille besteht, sich schnellstens in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Wenn von beiden Seiten da mehr Unverkrampftheit und eben auch Natürlichkeit vorhanden wäre, könnte das Einleben der Asylanten klappen. Ich möchte sie auch noch nicht neue Bürger nennen, weil noch sind es schutzsuchende Menschen, denen man Essen, Trinken, Wärme und ein Dach über dem Kopf geben muss….zunaechst nicht mehr und nicht weniger. Die Vermischung der Begriffe von Asylanten, Migranten und Zuwanderer finde ich etwas merkwürdig und auch bedenklich.
    Und ich habe auch die leise Befürchtung, dass ein extra Sender von den erhofften Zielgruppen gar nicht angesehen wird: Wenn sie eine Wohnung haben, werden sie als erstes dafür sorgen, dass sie per Satellitenschüssel „Original“ arabische Sender empfangen können….
    Hab ein schönes Wochenende und erhol Dich fein!!!
    Katrin

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  4. Hach, ja, der Scheuer redet viel, wenn der Tag lang ist. Genau so wie sein Boss, der Vollhorst Drehhofer und der Oberinnenwichtel J. Herrmann, sowie der Söder. Diese Herren nehmen den einstigen Spruch von Franz Josef Strauß: „Rechts von der CSU darf es keine Partei geben“ überaus ernst, daher fischen sie seit einer geraumen Weile schon mit markigen Bierzelt-Parolen ausgiebig in trüben rechten Gewässern.
    Ich bitte aber darum, die Bayern nicht mit diesem peinlichen Quartett in einen Topf zu schmeißen! Grade die Münchner haben Anfang/Mitte September ganz Deutschland und Zigtausenden von Flüchtlingen gezeigt, dass es hier sehr viele Menschen gibt, die das Herz auf dem rechten Fleck haben.
    Liebe Grüße!

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  5. Russisches Fernsehen? :-))) Hier hatten wir das bayerische. Der Ochsenkopf ist ja nicht weit weg. Zwischen 18 und 20 Uhr gab es damals bei der ARD ein Fenster fürs Regionalfernsehen. So lernte ein jeder eine Fremdsprache. :-)))
    Herzliche Grüße, Eberhard

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