Lafontaine plädiert für eine Erhöhung des Mindestlohns

Auszug aus dem Artikel (Link unten):

„Konkrete Angebote für Arbeitslose, um keine Ressentimentsaufkommen zu lassen

Was die Geldmittel aus den Sozialkassen anbelangt, deren Verteilung auch nicht gerade konfliktfrei ablaufen wird, so hat der frühere SPD-Finanzminister Lafontaine einen Vorschlag parat, der den Patriotismus der Bessergestellten auf die Probe stellt.

Nicht die Regierung entscheide, wie viele Menschen willkommen sind, sondern letztendlich die Bevölkerung, so Lafontaine. Um keine Ressentiments aufkommen zu lassen, brauche es jetzt konkrete Angebote für Arbeitslose, Geringverdiener und Wohnungssuchende. Wenn die Politik nichts gegen Lohndrückerei tue, profitieren rechtsextreme Parteien.“

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46087/

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dies wirklich die Lösung sein könnte. Der Vorschlag an sich klingt gut. Doch ich bringe Bedenken an:

Reicht es, wenn es den Menschen in Deutschland (gerade den sozial Benachteiligten) besser geht, um ein Verständnis für die „Fremden“ zu erwirken?
Ist es nicht eher ein „Erkaufen“?

Ich denke darüber nach, ob es ausreicht, im Land eine soziale Ruhe herzustellen. Sind dann die Menschen mehr mit ihrer Urlaubsplanung (Urlaub, der bei einigen endlich möglich ist) beschäftigt, als sich über die „Fremden“ aufzuregen? Der Focus liegt dann mehr auf dem persönlichen Glück, als dem Nachbarn das Glück und das Smartphone zu argwöhnen ….

Was ändert sich in den Köpfen der Menschen? Ich bezweifle, dass ein besser gefüllter Geldbeutel die Herzen von Menschen ebenso füllt. Wer sich schon einmal inmitten des „brüllenden Mobs“ befunden hat, weiß, wovon ich schreibe. Insofern empfinde ich den Vorschlag als etwas polarisierend.

Die nächste Frage, die ich mir stelle: Wird es den Menschen in dieser „Mehr-und-Mehr-Mentalität“ reichen? Wann sind die nächsten Erhöhungen fällig, um den Deutschen weiter zufriedenzustellen?

Dann soll es den „Bessergestellten“ auf die Probe stellen. Mir schwant die Anbahnung eines Dilemmas. Ich will ja nicht unken.

Bei dem, was ich am vergangenen Dienstag während einer Versammlung in unserem Dorf vernehmen musste, zweifle ich daran (Artikel zur Versammlung folgt am Wochenende – mein Körper muss sich auf Grund der „Schwerverdaulichkeit“ erholen). Da war diese Frau um die 60, deutlich eine „Bessergestellte“ im 700-Seelendorf. Sie und deren Mann schrien am Lautesten. Sie wollen keine Moschee in K.! Basta! Einer gab zu bedenken (einer von zwei Anwohnern, die meinen NougatSympathieBonus sofort innehatten), dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass 20 zu erwartende Kinder zwischen 15 und 18 Jahren imstande seien, in K. eine Moschee zu bauen.

Jetzt stelle ich mir tatsächlich vor, diese Frau, mit der teuren Brille und dem erlesenen Schmuck, solle auf die Probe gestellt werden. Entweder bekommen wir dabei einen Herzinfarkt oder die Frau.

Nichtsdestotrotz – endlich kommt mal ein Vorschlag, der im Zusammenhang mit der Asylproblematik ernstzunehmen ist und über welchen es sich lohnt nachzudenken.

Man verzeihe mir, wenn meine Ausführungen etwas rudimentär wirken oder verbal leicht dem Wirrnis ausgesetzt – momentan bin ich gesundheitlich ein wenig angeschlagen, möchte mich dennoch nicht im allgemeinen Defätismus einreihen (wenn auch an manchen Tagen eine solche Neigung vorhanden ist) und letztendlich am Geschehen teilnehmen, immer hoffend auf Eure Meinungen.

Einen schöneen Abend mit gutem Einklang ins Wochenende wünscht Euch

Sylvia Kling

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10 Gedanken zu “Lafontaine plädiert für eine Erhöhung des Mindestlohns

  1. Richtig: Vorbilder sind wichtig, wenn es um unsere Kinder geht. Doch dazu gehört Authentizität.

    Doch nun zu Pudels Kern:

    Die Suche der Menschen nach besseren Lebensbedingungen sollte uns ‚Ossis‘ ja noch in Erinnerung sein. Sehr viele haben sich damals in den Westen aufgemacht, und sind dort mehr oder weniger gut angekommen. (Wenn man das ‚deutsche Gejammere‘ mal außen vor lässt…)

    Heute bekommen wir die Rechnung für unseren Wohlstand und unsere Arroganz gegenüber den Ländern, deren ehemaligen Bewohner nun an unseren Grenzen stehen. Keiner von uns hat sich je Gedanken darüber gemacht, dass die Menschen aus Vorderasien und von weiter her, unsere Ignoranz strafen werden. Deren Bodenschätze und billige Arbeitskraft ist uns in all den Jahren recht angenehm importiert worden. (Und wenn wir weniger Waffen exportiert hätten…)

    Nun werden wir dafür bezahlen: diese Flucht derer hält niemand auf! Nur eine chinesische Mauer um Europa kann helfen. Doch diese hat an den Küsten riesige Lücken…

    Was wird kommen?

    Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wer kommen wird…

    Eine Akzeptanz derer in unserer Gesellschaft kann nur eintreten, wenn es allen zum Wohlstand reicht. Dann ist der soziale Frieden hergestellt.

    Und: Arbeitskräfte brauchen wir immer mehr, da unser Rentenalter ja auch angehoben werden soll, um die Räder der Wirtschaft nicht still stehen zu lassen.

    Also: Auf in die Wirtschaftswunderzeiten eines Kanzlers Ehrhard, der die Zuwanderung für den Wohlstand förderte.

    Und keiner kann es besser wissen, als der alte Lafontaine…

    Schade ist nur, dass die klassische Politik bei der Bevölkerung die Chance vergeben hat glaubhaft zu sein. Dann würde man auch Ideen und Reformen der Fachleute Glauben schenken, und nicht den Populisten auf den Plätzen vor den Unterkünften derjenigen, die hier, wie wir damals im Westen, ein wenig Frieden, Freiheit und soziales Wohl erhoffen.

    mobwish

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  2. Mit Gesetzen und Verordnungen wird man nichts erreichen, vielleicht sogar manchmal das Gegenteil. An Vernunft zu appellieren geht manchmal auch nicht, denn wo keine Vernunft ist, helfen die besten Argumente nicht. Gleichzeitig nimmt die Empathielosigkeit gepaart mit Intelligenzmangel allgemein zu. Also welche Möglichkeiten gibt es? ich weiß es nicht 😦

    Die Gefahr einer Flüchtlingswelle von den armen in die reichen Länder ist seit langem bekannt und wurde immer wieder verdrängt bzw. man hat nicht dran geglaubt. Völkerwanderungen hat es schon oft im Laufe der Menschheit gegeben, in diesem Fall dadurch verstärkt, weil die reichen Länder durch Ausbeutung, durch Kriegswaffenexporte und auch direkt durch kriegerische Aktivitäten eine gewaltige Mitschuld an der Not der armen Länder haben und zu dieser Not nicht stehen wollen. Und jetzt? Es ist eine klare Konfrontation von arm und reich…

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    • „Gleichzeitig nimmt die Empathielosigkeit gepaart mit Intelligenzmangel allgemein zu.“ Das ist genau das, was ich mit meinen gesellschaftskritischen Texten auszudrücken beabsichtige. Es ist erschreckend, wie massiv es zunimmt. Liegt es an der Unzufriedenheit der Menschen oder vielleicht doch an der Tatsache, dass sie noch keine wirklichen (tatsächlichen …) Entbehrungen hinnehmen mussten? Not hält die Menschen oft zusammen – das mussten die Deutschen in den letzten Jahrzehnten nicht mehr in dem Maße, dass es „lehrhaft“ wäre.

      Unsere Waffenexporte schreien förmlich danach, in die Krisengebiete exportiert zu werden …Ich stimme Dir zu, Carlheinz.

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  3. Ich denke schon, dass für Geringverdiener, Arbeitslose Landsleute ect. Mehr getan werden sollte. Es ist kein Wunder, dass viele von ihnen unzufrieden sind, wenn sie selbst in Armut und Zukunftsangst leben. Ich denke aber nicht, dass der Vorschlag von Lafontaine ein Beitrag zu weniger Fremdenfeindlichkeit sein kann. Denn auch wenn Menschen viel haben, finden sie doch immer etwas, das noch besser wäre. Und sie werden unzufrieden. Wie man mit seinen Ängsten und seiner Unzufriedenheit umgeht, ist individuell. Wer die Strategie für sich entwickelt hat, dies immer auf andere, „Fremde“ zu projektieren, wird dies auch weiterhin tun. Ob bessergestellt oder nicht. Bis er vom Gegenteil überzeugt ist. Und das geht nur durch Aufklärung und positive Begegnung. Und am ehesten in der frühkindlichen Erziehung. Da werden oft schon die Weichen für Aufgeschlossenheit oder gestellt.

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